Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Hans Zander: Hinter den Kulissen des Jüdischen Kulturbundes Berlin
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 3)
- Language
- German
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keineswegs in Frage gestellt werden. Ebenso wird der größte Teil der kostümlichen Ausstattung im Hause — auch aus Ersparnisgründen — hergestellt und die Ausführung vom Ausstatter selbst überwacht. Da gibt es nun wegen der hohen Kosten oft genug gewaltige Kämpfe mit der Verwaltung, der selbstverständlich „immer alles zu teuer" ist. Die hat nun die „angenehme" und oft schwere, fast unlösbar erscheinende Aufgabe, d i e Grenze zu finden, wo mit Rücksicht auf das notwendige künstlerische Niveau die Unkosten einer Inszenierung nicht mehr zu senken sind, aber auf der anderen Seite darüber zu wachen, daß eine Ueberspannung der begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Kulturbundes nicht eintritt. Das ist wohl das schwierigste Problem, das die Leitung zu lösen hat; doppelt schwierig, wenn man, wie ich, nach jahrzehntelanger künstlerischer Tätigkeit den Künstler in sich nicht verleugnen kann und so gern den Wünschen der am Werk Schaffenden gerecht werden möchte. Wie diese uns hier gestellte schwerste Aufgabe bis jetzt von uns bewältigt wurde, hast du ja selbst, liebes Publikum, stets verfolgen können, an Hand unserer Erfolge und fast ohne Erhöhung deines Mitgliedsbeitrages. Der Vollständigkeit wegen ist natürlich zu bemerken, daß es ab und zu nicht ganz ohne finanzielle Hilfe geht. Wenn es gar zu brenzlich wird, dann ergehen unsere SOS-Rufe an den Verwaltungsraf des Kulturbundes, der sie nach Möglichkeit erhört und Hilfe von dritter Seite herbeischafft. (Diese dritte Seite wird als bekannt vorausgesetzt.) Dieser Verwaltungsrat als oberste Kontrollinstanz, der sich aus Männern der jüdischen Oeffentlichkeit zusammensetzt, die ehrenamtlich ihr Amt ausüben, bietet den Kulturbundmitgliedern die sicherste Gewähr, daß die eingehenden Mitgliedsbeiträge ihrem eigentlichen Zweck voll und ganz zugeführt werden: unserem Publikum gute Kunst zu vermitteln und andererseits jüdischen Künstlern und Angestellten Arbeit und Brot zu geben. Wenn ich nun noch zuletzt von der oben schon erwähnten Leitung sprechen darf, so ist zu bemerken, daß sie stets das Bestreben hat, unser Publikum zufriedenzustellen. Allen kann man es bekanntlich nicht recht machen. Aber wir können mit Zufriedenheit feststellen, daß wir im großen und ganzen stets das Richtige getroffen haben; und so hoffen wir auch weiter, unsere nahezu 200 Künstler und Angestellten noch viele Jahre in den Dienst der Kunst stellen zu können, und unserem Kulturbund-Publikum recht erhebende und genußreiche Stunden zu bereiten, die es den Alltag vergessen lassen. 5(1