Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Max Osborn: Die jungen jüdischen Künstler
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 3)
- Language
- German
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Kopfschütteln ist die Antwort. Nein, „eigentlich" könne davon nicht die Rede sein. Und beschwörend fährt man fort: ob es nicht angezeigt sei, die Rücksicht auf die harten Bedingungen des Lebenskampfes nicht außer Acht zu lassen, eine Verbindung der gottgegebenen Fähigkeiten mit einer praktischen Berufsübung herzustellen, oder gar ein Handwerk zu erlernen, denn das sei keineswegs fern von der Kunst, und alles, was die schaffende Hand hervorbringe, sei miteinander eng verwandt. Bei alledem hat man kein besonders gutes Gewissen. Denn hier liegen ja die Beweise auf dem Tisch, daß eine unzweifelhafte Begabung vorhanden ist, daß vielleicht sogar darin ein Keim des Geniehaften schlummert. Aber man muß, das habe ich in einem langen Leben der Erfahrungen gelernt, jungen Menschen, die zum Künstlertum drängen, immer so gegenübertreten. Erst wenn alle guten Ratschläge zum Teufel gejagt werden, offenbart sich wirkliches Künstlerwesen. Das Talent, das seinen Namen verdient, geht über sämtliche Widerstände hinweg zur Tagesordnung über. Hat man hierüber Klarheit gewonnen, dann allerdings hat man das Recht, mehr, die Pflicht, zu rufen: Jetzt mit vollen Segeln voran, auf die hohe Seel Wieder blickt man dem Besucher ins Gesicht. Was tut er? Er 1 ä ch e 111 Lächelt, als wenn er sagen wollte: Rede Du nur immer weiter, Du altes Kamel; ich weiß doch, was ich kann, und was ich will, und was ich tun werde. Man fühlt sich mit der einen Hälfte seiner Seele bedrückt. Da geht einer einen steinigen und steilen Weg; wenn er nur nicht eines Tages abstürzt. Aber mit der anderen Seelenhälfte empfindet man heimlichen Jübel. Mit Rührung und Bangen, doch mit Beglückung erkennt man wieder, daß auch in dem ernsten Schicksal, das heute dem Judentum auferlegt ist, der hohe Flug einer unbeschwerten Idealität, die sich von kleinlichen Erwägungen nicht hemmen läßt, opferbereit und siegesgewiß, unzerstörbar lebt. Es gehört zu unseren edelsten Verbindlichkeiten, diese heilige Flamme zu hüten, wo immer sich ihr Lichtschein zeigt. Die jüdischen Kulturbünde und ihre zusammenfassende Organisation, der Reichsverband, haben das wohl erkannt. Es war nicht immer so. Anfänglich hatte man die bildende Künstlerschaft wie gewöhnlich, ohne böse Absicht, aus den Augen verloren. Dann erst erinnerte man sich: Richtig, da sind ja auch noch die jüdischen Maler und Bildhauer. Aber die noch größeren, die umfassenden jüdischen Organisationen haben diesen ganzen Aufgabenkomplex noch kaum in ihr Programm gezogen, sie sehen hier ein weites, fast unbeackertes Tätigkeitsfeld vor sich. Und auch 40