Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Max Osborn: Die jungen jüdischen Künstler
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MAX OSBORN: Am DIE 2^ JUNGEN JÜDISCHEN KÜNSTLER Das hat man nun so off schon erlebt und ist doch immer wieder davon im Tiefsten berührt: Herein tritt ein junges jüdisches Menschenkind, ein Mädel oder ein junger Mann, mit einer Mappe unterm Arm. „Ich möchte Ihnen, wenn Sie gestatten, einmal etwas von meinen Arbeiten zeigen." Bitte sehr. Die Mappe wird auf den Tisch gelegt und öffnet sich. Zeichnungen sind darin, oder Aquarelle, oder Oelskizzen, oder graphische Blätter, oder auch Photographien von plastischen Arbeiten. Man beginnt, sich die Sachen anzusehen, und fühlt mit innerer Bewegung: wahrhaftig, das alles sind ja Äeußerungen eines richtigen Talents, einer angeborenen Freude am Festhalten dessen, was das Auge rings wahrnimmt, eines echten künstlerischen Sinnes, das optisch Aufgenommene oder auch das mit der Phantasie Erschaute in die abkürzende Schrift (Liebermann sagte gern „die Hieroglyphe") des Bleistifts, der Feder, des Pinsels, der Radiernadel, des Modellierholzes zu übertragen1. Man fühlt einen Ruck; lebhaft gefesselt, erstaunt, ergriffen blickt man auf. Und sieht in zwei glühende Augen, die mit stummen Fragen angefüllt sind. Was wollen sie wissen, diese glühenden Augen? Sie möchten von einem, der schon viel gesehen, hören, ob das alles „etwas sei", ob genug darin stecke, um an die Möglichkeiten einer künftigen Fortenwicklung zu glauben, um darauf eine Künstlerlaufbahn zu begründen. Man spürt den Funken, der von dem jüdischen Menschenkinde und den Proben seines Könnens herüberschlägt. Aber man fühlt auch die Verantwortung, die man mit der Erwiderung auf die stummen Fragen auf sich lädt, und man tut das, was man nach der Stimme seines Herzens durchaus 38