Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Kurt Pinthus: Das Schauspiel
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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KURT PINTHUS: DAS SCHAUSPIEL Bedenkt man, daß der Jüdische Kulturbund im Jahr nur acht Schauspiele herausbringen kann (das sind in fünf Jahren etwa vierzig Stücke), so muß man zumindest über die Mannigfaltigkeit des Repertoire staunen, — zumal wenn man die vielfachen Schwierigkeiten bei der Auswahl der Stücke kennt. An anderer Stelle wird dargelegt, aus welchen Gründen mancherlei im Kulturbund nicht gespielt werden kann. Wohl aber kann und soll hier Weltliteratur gespielt werden; denn wenn das Betätigungsfeld der Juden in Deutschland auch im allgemeinen verkleinert ist, so ist es doch gerade dem Kulturbund vorbehalten, das geistige Feld möglichst weit zu breiten, durch die Zeiten und über die Länder. Aus dem Dunkel der Vergangenheit ziehen lichte Gestalten auf, die geistige Helligkeit ins Menschengeschlecht ausströmten durch den sprechenden Mund, die handelnden Gestalten anderer Menschen, der Mimen. Wir nennen diese dramatischen Dichter Klassiker, und einer der ältesten von ihnen, Sophokles, wurde im Kulturbund gespielt mit der „Antigone". Als Sophokles neunzigjährig starb, war sein Ruhm so groß, daß er in den Rang eines Heros erhoben und ihm geopfert wurde. Unter seinen 123 Tragödien aber galt den Griechen als die verehrungswürdigste diese „Antigone", die zum ersten Mal in der Antike übermächtig das Gebot der Menschenliebe verkündete. — Wir sahen von Shakespeare fast ein halbes Dutzend Stücke, nach dem „Othello" vorwiegend Komödien „Was Ihr wollt", „Sommernachtstraum", „Viel Lärm um nichts", jene verwirrenden, nichtigen Geschehnisse, aus Mißverständnissen und Verwechslungen sprießend, aber wimmelnd gefüllt mit unsterblichen Gestalten — unsterblich nicht nur als dichterische Figuren, sondern weil sie immer und überall auf unserer Erde, umgehen —, und überschäumend von Weisheit, Humor, Poesie und Musik. Sicherlich war die geglückteste, beweglichste und heiterste von den Shakespeare-Aufführungen des Kulturbunds die des „Sommernachtstraums" mit der Musik, die der Knabe Mendelssohn dazu komponiert hatte. So auch hat fast ein Jahrhundert später ein anderer jüdischer Jüngling, Erich W. Korngold in Wien, eine verbindende Musik zu „Viel Lärm um nichts" geschrieben, und diese Suite aus allen Elementen von klassischen bis zu atonalen 26