Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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253 wurde in die Schulkommission gewählt. Die Beratung galt im wesentlichen den Budgets für das Schulwerk, die eine erhebliche Steigerung erfahren haben. Die Mehrkosten erwuchsen insbesondere durch den weiteren Ausbau einer Anzahl Institute des Hilfsvereins in Jerusalem, Jaffa, Haifa und Saloniki, umfassende organisatorische Verbesserungen, Heranziehung neuer tüchtiger Lehrkräfte, Einführung des Handfertigkeitsunterrichts in Palästina usw. Das Qesamtbudget für das Schulwerk beläuft sich für das Schuljahr 1911—12 auf rund 200000 Mark, wovon ca. 155 000 M. auf Palästina nnd etwa 45 000 Mark auf die europäische Türkei, Bulgarien, Rumänien und Qalizien entfallen. Schließlich wurde noch über das Hilfswerk zu Gunsten der Opfer der Brandkatastrophe in Konstantinopel und die weitere Gestaltung des russischen Hilfswerks, speziell der Auswandererfürsorge beraten. Gallzlen. Noch sind die Resultate der letzten Volkszählung 1910 nicht ganz bekannt, jedoch muß man schon nach den bisherigen Berechnungen zur Ueberzeugung kommen, daß die Zahl der Juden ständig zurückgeht. Im Jahre 1890 haben die Juden 11,6 pCt. der Gesamtbevölkerung ausgemacht, im Jahre 1900 11,1 pCt. und 1910 nur 10,9 pCt. Die Zahl der Polen ist in derselben Zeit von 45,4 pCt. im Jahre 1890 und 45,7 im Jahre 1900 bis auf 46,5 pCt. im Jahre 1910 gewachsen. In Westgalizien war das Verhältnis 13,6 pCt. im Jahre 1890, 12,8 pCt. 1900 und 12,4 pCt. im Jahre 1910. Jaffa. Lebhaftes Treiben herrscht gegenwärtig im hiesigen Hafen. Die Zeit der Orangenausfuhr ist gekommen und man sieht hier Tausende von Kisten aufgestapelt, in denen die Früchte aus den Bojaren der näheren und weiteren Umgebung Jaffas verpackt sind, um nach Liverpool, Marseille, Australien und anderen Orangemärkten verfrachtet zu werden. Täglich bringen zahlreiche Kamele größere Apfelsinentransporte aus den umliegenden Ortschaften und Kolonien nach dem Jaffaer Hafen. In eingeweihten Handelskreisen hält man den Ertrag der diesjährigen Orangenproduktion für außerordentlich befriedigend und hebt mit besonderer Genugtuung die guten Preise hervor, die die palästinensischen Früchte auf dem Weltmarkt erzielen. Nach einer Reihe trüber, winterlicher Regentage herrscht in Jaffa und den benachbarten Kolonien wieder heiteres, angenehmes Wetter. Der hiesige jüdische Turnverein macht sehr erhebliche Fortschritte. Die Mitgliederzahl steigt andauernd und auch das Interesse der Mitglieder für die Turnsache gestaltet sich immer reger und intensiver. Die Turnübungen finden vorläufig in der Aula der jüdischen Mädchenschule statt, doch gedenkt die Vereinsleitung schon in nächster Zeit einen eigenen Turnsaal zu mieten. Auch soll in Tel-Awiw ein Zweigverein ins Leben gerufen werden. Besondere Verdienste um die jüdische Turnsache in Jaffa hat sich der wackere Turnlehrer, Herr Orlow, erworben, der unermüdlich für den Aufschwung des Vereins tätig ist und es verstanden hat, denselben auf ein recht hohes, achtunggebietendes Niveau emporzuheben. Die Mitglieder des Central-Comites des hebräischen Lehrerverbandes haben hier zwei Abendkurse für Erwachsene eingerichtet, von der einer in den Räumen der Mädchenschule und der andere im Hebräischen Gymnasium abgehalten wird. Das jüdische Publikum bringt dieser neuen Institution lebhaftes Interesse entgegen, und die Zahl der Teilnehmer an den Kursen steigt von Tag zu Tag. Die Absolventen der hiesigen Tachkemonischule haben einen Verein zur Pflege der jüdischen Literatur und Wissenschaft ins Leben gerufen. Vor kurzem hielt in diesem Verein Herr Dr. Grünhut aus Jerusalem einen Vortrag Uber das Thema „Ein geistiges Zentrum in Palästina".