Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 10 (10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 205 dem Nachmittagsgebet einen Vortrag von Turnbruder Dr. Baer über den X. Zionisten - Kongreß. Im Winter werden wieder Vorträge stattfinden; auch soll eine Fechtriege eingerichtet werden. A.B. Wien. Auf Anregung des I. Wiener Jüdischen Turnvereins veranstalteten die jüdischen Turnvereine Wiens am 4. Juni in der Halle des I.Wiener J. T. V. ein Wetturnen. Vorgeschrieben waren fünf Pflicht- und drei Kürübungen am Barren, Pferd und Reck, eine Freiübung, sowie Stabhochspringen, Weithochspringen und Hantelstemmen beidarmig (37x/2 Kilo). Die Wertung geschah bei den Geräteübungen bis zu 10, bei den volkstümlichen Uebungen bis zu 20 Punkten, so daß im ganzen 150 Punkte erreicht werden konnten. Fünf Teilnehmern gelang es, einen Sieg zu erringen, für welchen die Mindestanzahl von 100 Punkten erforderlich war. Aus nachstehender Tabelle ist zu entnehmen, daß Ludwig Ulimann erster und Theodor Steinherz zweiter Sieger im Geräteturnen waren. Sehr gute Leistungen erzielten auch Ing. Philipp Pollak und Jos. Reiß. Letzterer hätte sicherlich einen Preis errungen, konnte aber wegen einer Verletzung an den Sprungübungen nicht teilnehmen. Im volkstümlichen Turnen zeichnete sich Siegfried Bojko durch vortreffliche Leistungen aus: Weithochsprung 1,50 m Höhe und 3 m Weite, Stabhochsprünge mit vorzüglicher Haltung über 2,70 m, Stemmen der 3?Vk kg schweren Hantel 20 mal. Ludwig Ulimann erreichte beim Stabhochspringen mit guter Technik dieselbe Höhe. In Anbetracht dessen, daß das volkstümliche Turnen, besonders aber das Stabspringen, erst in letzter Zeit eingeführt und geübt wurde, müssen diese Resultate sehr befriedigen. Als Kampfrichter fungierten die Herren Prof. Max Guttmann, Emil Popper, Isidor Horwitz und Säbel. Bei dem stark besuchten Kommers, der vom Obmann des I.Wiener J T. V., Herrn Hugo Spitzer, geleitet wurde, hielt Herr Prof. Max Guttmann einen sehr gediegenen Vortrag über die allgemeine Bedeutung und Entwicklung des Turnens. Hierfür sei ihm an dieser Stelle nochmals herzlicher Dank gesagt. Das mit Spannung erwartete Ergebnis des Wetturnens wurde durch den Leiter desselben, Herrn Emil Popper, verkündet. Die Sieger erhielten schlichte Lorbeerkränze mit blauweißen Schleifen und Diplome. Den heiteren Teil des Abends leitete Herr Ullmann, und bis in die frühen Morgenstunden blieben alle in fröhlichster Stimmung beisammen. Es war dies das erste Mal, daß sich die verschiedenen hiesigen jüdischen Turnvereine zu einer solchen gemeinschaftlichen Veranstaltung zusammenfanden, und es kann mit großer Freude konstatiert werden, daß dieses harmonische Zusammenwirken einen schönen turnerischen Erfolg aufzuweisen hatte. Es hat sich aber auch gezeigt, wie nötig es ist, von Zeit zu Zeit herauszutreten aus dem alltäglichen Vereinsleben zur gemeinsamen Arbeit mit den anderen Brudervereinen, um einander Anregung zu bieten, die Geselligkeit zu heben, unsere Turnsache zu verbreiten. Wir müssen die bisherigen engen Grenzen unserer turnerischen Tätigkeit erweitern, um endlich auf eine Höhe zu kommen, welche die Wiener jüdische Turnerschaft schon längst hätte erreichen sollen. Es darf mit der Verwirklichung der Kreis- Kriindung, wie sie Herr Theodor Steinherz in seinem Aufsatze „Ueber Kreisbildung" (s. Jüd. Turnzeitung vom April 1911) vorschlägt, nicht weiter gezögert werden. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit muß in unseren Vereinen gehoben, die Idee für unsere Sache lebhafter und eindringlicher verbreitet werden. Und dies kann nur dann geschehen, wenn alle ihre Pflicht erfüllen, mit Lust und Opferfreudigkeit dem idealen Zweck der jüdischen Turnsache dienen. F.. P.