Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 8/9 (8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965328--3079-4925874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Eutin 1× ep/1044530
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
No. 8/9 175 Wien. I. Wiener J. T. V. Ausweis für den Turnhallen-Fonds: Mme. Borowoj aus Odessa........ fr. 10.— Hamburg. J. T. V. „Bar Kochba". Zugvogels Theorie in der Praxis*). Nachstehend will ich einige Momente und Episoden, welche sich auf unserer Pfingsttour ereignet haben, zu Papier bringen. i. Es war einmal ein schöner Pfingstsonntagsmorgen. Da läutete in verschiedenen Zimmern um 4 Uhr früh der Wecker. Es sprangen verschiedene Bar-Kochbaner aus dem Bett, zuerst in die Morgenluft und dann in die Kleider, pilgerten, nachdem sie letzte Hand an den Rucksack gelegt, zum Bahnhof. Dort gab es Mühe, eine Fahrkarte nach Eutin zu bekommen, denn der Andrang war groß. Nach viel Mißgeschick und Beschwerden langten die Bar-Kochbaner, zu denen sich inzwischen die Bar-Kochbanerinnen gesellt hatten, in Eutin an. Hier rief eine Abteilung der anderen „Viel Vergnügen", ..Gutes Wetter" und „Auf Wiedersehen" zu. Pann zog Jede für sich ihres Weges. II. Gegen Mittag war es, da kamen zehn rucksackbeladene, stockbewaffr>ete Jünglinge aus dem Holz heraus an den D i e k s e e, der sonnenglänzend, von Wald umsäumt, in köstlicher Ruhe dalag. Schuhe, Strümpfe und Hosen waren dick mit Staub bedeckt, die Gesichter geratet, aber die Laune vorzüglich. . Kein Wunderl Sollte doch bald Rast gemacht werden! Auf einem schönen Platze des steil ansteigenden Seeufers, im Schatten liochgewölbter Buchen wurde das Lager aufgeschlagen. Aus den Tiefen des Rucksacks kam Speise zutage, die dickbauchigen Feldflaschen lieferten Getränk. Ein Mittagessen, einfach, wie es die meisten noch nie gegessen hatten, doch mundete es, als hätte es der berühmte Koch Zwerg Nase selbst hergerichtet. III. Weit dehnt sich der Plönsee, fast wie ein Meer. Aus dem Grün heraus hebt sich der schlottartige Bau der Kadettenschule, an der die staubige Landstraße vorbeiführt. Auf dieser kamen zehn rucksackbeladene, stock- "ewaffnete Jünglinge dahergewandert, etwas matt, denn die Sonne brannte fürchterlich. Da plötzlich ein Freudenschrei, dem neun entzückte Ausrufe folgten. Die Badeanstalt war gesichtet. Nicht lange dauerte es, da waren al|e zehn der Kleider los und ledig und nach ebenso kurzer Zeit war die «anze Schar im Wasser. Prachtvoll war die kühlende Flut, so erfrischend, uaß viel getaucht wurde. Freiwillig und unfreiwillig, so daß einer noch am nächsten Tag, bis sie an die Ostsee kamen, nicht müde wurde, zu beteuern, *r habe den ganzen Plönsee im Magen. Sein Schlafnachbar behauptet, er fätte sogar im Schlaf immerfort gemurmelt: „Ich habe den ganzen Plönsee lm Magen; ich habe den ganzen Plönsee . . ." IV. Wenn man den ganzen Tag in frischer Luft war, mundet einem das Abendbrot sicherlich gut, besonders wenn es so reichlich und billig verabki *) S. den Artikel „Wanderfahrten" von „Zugvogel" in der vorletzten N«mmer.