Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 6 (6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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126 No. 6 Unsere Mädchen turnen jetzt in zwei Gruppen; die erste Qruppe, welche die Mädchen unter 10 Jahren unifaßt, steht unter Leitung unserer bewährten Turnlehrerin Frl. Katzenstein, für die zweite Abteilung, in welcher die über 10 Jahre alten Mädchen turnen, ist es gelungen, als Leiterin die 1 ehrerin Frl. Liepmann zu gewinnen. Beide Abteilungen werden regelmäßig von etwa 80 Mädchen besucht. Frankfurt a. M, Die zwecks Gründung einer Turnabteilung veranstaltete Versammlung der Zionistischen Jugendgruppe war stark besucht und verlief sehr angeregt. Das Referat hielt Herr L. Perlmutter über: „Die Ausbreitung des Turnens unter den Jude n". Redner zeigte in historischer Betrachtung, welch große Anzahl heldenstarker Männer die jüdische Antike hervorgebracht habe, und warf dann einen Blick auf die physische Konstitution der Juden der Gegenwart. Nach Ansicht maßgebender Mediziner und Statistiker sei der Prozentsatz der Juden an allen Krankheiten, die aus Mangel an körperlicher Arbeit entstehen, wie Zuckerkrankheit, ferner an Geistes- und Nervenerkrankungen ein unverhältnismäßig hoher. An Hand eines reichen statistischen Materials wies Redner nach, daß dies atis der abnormen Wirtschaftsstellung der Juden herrühre, die das überwiegende Kontingent zum Handelsgewerbe, akademischen Berufen und zur Großstadtbevölkerung stellen. Der Mangel an beruflicher körperlicher Arbeit müsse durch außerberufliche ersetzt werden und um die gesamte Judenheit in diesem Sinne zu regenerieren, müßten die jüdischen Kräfte konzentriert werden, um die Idee des Turnens unter den Juden zu propagieren. Dieser Gedanke habe die Jüdische Turnerschaft vor 10 Jahren geschaffen, die heute über 40 Vereine mit 5000 Turnern umfasse. Die gegen eine selbständige jüdische Turnerschaft erhobenen Einwände wies Redner als unbegründet zurück und betonte, daß zunächst nur die Errichtung einer Turnabteilung geplant sei. Mit der Mitteilung, daß Turnhalle und Lehrkräfte sowohl für die Herrenals auch Damenriege bereits gewonnen seien und dem Appell, den Turnriegen beizutreten, schloß Redner die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Herr Turnlehrer Robert Braun unterstrich sodann die Ausführungen des Referenten, wies auf die besondere Notwendigkeit des Turnens für den jüdischen Volksstamm hin und schilderte den Wert des Turnens für Körper- und Charakterbildung. Es wurden dann Fräul. A. Rosenbaum und Fräul. Clemence Mayer, sowie die Herren Zahnarzt Bruno Strauß» L. Goldschmidt, A. Meyer und A. Weil in den Ausschuß gewählt. Bis jetzt sind 82 Mitglieder der Turnabteilung beigetreten. Posen. J.T.V. Am 19. März fand, wie alljährlich gegen Purim, das Stiftungsfest unserer Damenabteilung in den Sälen des Hotels „Friedrichshof" statt. Unserer Vorliebe für den. Orient Ausdruck gebend, wurde dem Feste der Charakter eines japanischen Maskenballes verliehen. Die sorgfältig gewählte Ausstattung trug dazu bei, der Festesstimmung einen gewissen intimen Anstrich zu geben. Die Darbietungen wurden erfreuliche Weise auf eine Aufführung beschränkt. Dem Milieu und der modernen Oper angepaßt, verfaßte unser bewährter Herr Georg Kareski eine Parodie atn „Madame Butterfly", die — ohne tragischen Ausgang — uns mit den neueste Operettenschlagern bekannt machte. Für die Hauptpartien waren gew°n"®" Frl. Stössel, die Herren Seeligmann und Miodownik; die übrigen Rone fanden Besetzung in den Damen Landsberger, Miodowski, Bäsch o» Herrn Baer. An der Kaffeetafel fanden allseitigen Beifall die Anspracnen der Herren Rechtsanwalt Dr. KoMenscher und Kareski. Ersterer wies a? die gemeinsamen Festesfreuden hin, an der die verschiedenen Berufsklasse teilnahmen, und sprach die Hoffnung aus, daß das volkstümliche Zusamm