Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 9 (9.1910)
- Date
- 1910-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 135 tischen Tempelvereins X zum Wort, begrüßte die Gründung des neuen Vereins und sagte tatkräftige Unterstützung zu. Herr Dr. Zuckermann als Vertreter des inncrösterreichischen Distrikt-Komitees überbrachte die Qrüße desselben und referierte über den Zionismus. Nachdem noch Herr Dr. Kraus, Herr M. Faltitschek, als Vertreter des Jüdischen Schulvereines, Herr Langsfelder vom Jüdischen Turnverein XJV gesprochen hatten, schritt man zur Wahl des Turnrates. Es wurden folgende Herren einstimmig gewählt: Obmann: Adolf Ehrlich, Obmann Stellvertreter: Rudolf Fried, 1. Schriftföhrer: techn. Max ßernat, 2. Schriftführer: Heinrich Pick, 1. Kassierer: Max Steiner, 2. Kassierer: Otto Steiner, Oeräteverwalter: Oskar Hirschfeld, Beisitzer: iur. Friedr. Steiner, Max Faltischek, Josef Weiß, Revisoren; Sjegm Salomon, Cafetier, Jak. Schimek, Kaufipann. Herr Adolf Ehrlich hielt hiernach eine kurze Ansprache, in der er der Versammlung für das Vertrauen dankte und sie einer ebenso tätigen und raschen Arbeit versicherte, wie sie das Proponenten-Komitee gezeigt. Bei der Festsetzung des Mitgliedbeitrages kam es zu einer lebhaften Debatte. Nachdem Herr Dr. Kraus, der auf die versprochenen Unterstützungen hinwies, gegen Herrn Straßberg und Herrn Langsfelder für die Annahme von 1 Kr. gesprochen hatte, wurde der Mitgliedsbeitrag von 1 Kr. monatlich angenommen.. Herr Rudolf Fried schloß hierauf mit herzlichem Danke an die Redner die Versammlung. Vermischtes. Turnen ohne Turngeräte. Wie neugegründete Turnvereine am Anfang auch ohne Turngeräte auskommen können, darüber informiert ein Schreiben unseres Herrn Julius Hirsch-Konstantinopel über den von ihm geleiteten «urnunterricht an einer Hilfsverein-Schule in einem jüdischen Vorort Konstantinopels. Herr Hirsch schreibt uns darüber folgendes: „Mir steht ein langer, ganz schmaler Schulhof zur Verfügung. Turngeräte kennt man Wer "ur dem Namen nach. Da heißt es erfinderisch sein, um die Stunde auch 'iteressant zu gestalten. Schon eine Aufstellung zu Freiübungen zu finden ^ietet viel Schwierigkeit; denn auch darin muß Abwechslung herrschen. Von ^taffelreihen, Kreis und Karree muß ich vollkommen absehen. Marschubungen kann ich nur von zwei Turnern zu gleicher Zeit ausführen lassen, cies langweilt natürlich die anderen 30 Schüler. Dann ein paar Striche auf öem Sand, und es wird lustig gesprungen, als Zugabe gibt es ein paar Hochsprünge über meinen Spazierstock. Die Turnstunde beendige ich entweder m't einem Wettlauf oder mit Tauziehen; ich habe nämlich beim Schuldiener cln,f.n Strick entdeckt, der aber so dünn ist, daß ich auf jeder Seite nur zwei chüler ziehn lasse. Nach der Turnstunde sollen Sie einmal die zufriedenen Jesichtcr sehen, als ob man Reck und Barren geturnt hat. Fast genau so seht es mir bei der Leitung einer Männerabteilung unseres Vereins. Außer en Sprungständern besitzt sie nur noch ein paar Hanteln, Stäbe und Gewehre. Nach den Gemeinübungen lasse ich springen. Um darin keine Einzigkeit eintreten zu lassen, lasse ich manchmal mit Belastung springen. M't einem Stuhl, einer Schulbank oder mit einem Glas Wasser über die chnur zu springen, das wollen alle Turner gern versuchen. Dann einen feinen Ziehkampf oder Barlauf. Einer besonderen Beliebtheit erfreut sich .er °au von Pyramiden. Etwas, was wir in Deutschland nur zu besonderen Wassen einüben, habe ich hier also als regelrechten Zweig unseres Turn- Programms eingefügt. Sie sehen also, auch ohne Turngeräte kann man die 'umstünde abwechslungsreich gestalten."