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Jüdische Turnzeitung · 1910-09-01 · 9 (9.1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
11 (1910)
Issue
9 (9.1910)
Date
1910-09-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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No 9 130 mein losgefuttert, um den überhasteten Frühkaffee nachzuholen. Unter lustigem Geplauder waren wir am Ziele, in Eutin, angelangt. Aus dem Bahnhof eilten wir mit erwartungsfrohen Gesichtern, und. nun ging das Wandern los. Es war ein Sommermorgen, wie er nicht schöner gedacht werden konnte, wie man ihn sonst nur aus Romanen kennt! Die Sonne lachte vom azurblauen Himmel gar strahlend auf uns herab, die Vögel jubilierten in den Zweigen, die Blumen hauchten die duftigsten Grüße für uns in die Lüfte und Schmetterlinge umschwebten uns auf allen Wegen. — Wir bewunderten den Kellersee, eingerahmt von Wäldern und Wiesen, den Diek- und Uglei- See, — aber wer könnte auf dem Papier die Herrlichkeit der Landschaft, die sich auf der Höhe vor dem entzückten Blick ausbreitete, wiedergeben! Und immer, wenn wir dachten, nun wäre wohl das Schönste vorbei, führte unser Führer, Herr Dr. Weigert, uns an noch herrlichere Punkte. Wir frisch-fröhlichen Bar-Kochbaner vergaßen natürlich trotz allem Schwärmen nicht, dem Magen gerecht zu werden; an einem lauschigen Waldplätzchen, unter rauschenden Bäumen, angesichts des Dieksees, gab's ein lustiges Picknick. Wie das schmeckte nach diesem Marsche in der freien Natur und mit der Aussicht, den ganzen Tag keinen Großstadtstaub schlucken zu müssen! Bald brachen wir neugestärkt und wanderlustig auf, ruderten, badeten, marschierten, sangen und freuten uns. Das so malerisch gelegene Malente - Gremsmühlen war unser weitester Punkt. Die Zeit verging so schnell. Gleich nach 7 Uhr wurde der Rückmarsch angetreten; die Dampferfahrt von Malente nach Eutin führte uns noch einmal den ganzen Zauber dieser Gegend vor Augen, von dem wir uns nur schwer trennen konnten. Wie undankbar man unter diesen Umständen das schwarze Ungetüm, Eisenbahn, anblickt! Sie konnte uns gar nicht schnell genug, unter höhnischem Zischen, aus der Heblichen Gegend bringen und ließ uns so nur teilweise den gewaltig schönen Sonnenuntergang durch die Stämme der Bäume ahnen. Eigentlich viel zu schnell langten wir in Hamburg an, die Augen no;h voll von Sonnenschein, in den Haaren den schmeichelnden Sommerwind, in der Brust ein siegendes Kraftgefühl für den grauen Alltag der kommenden Woche. Aber ungetrübt schön war er, der erste Tagesausflug des jungen Bw- Kochba; das pfeifen jetzt schon die Spatzen von den Dächern, und besonders ein Spatzenbub, so ein neugierig-frecher, der aus der Holsteiner Schweiz stammt und hier auf Ferienbesuch ist, wußte recht interessant zu piepsen: Wie sie sich im Walde alle gewundert und gefreut hätten über die stojze Einigkeit der jüdischen Jugend, die Bäume rauschten es sich gegenseitig erfreut zu, die Blumen flüsterten erregt von seltsam-sonnigen Zukunftsträumen, die sie heute gehört hätten, der Wind strich neugierig horchend über sie hin und meinte dann lachend: er hätte lange gewußt, daß es so kommen müsse. — Das Echo war ausnahmsweise weniger geschwätzig gewesen, meinte dann nur, gutmütig lachend, es wäre sicher 8 Tage indisponiert, so hätten heute junge, lebensfrohe Menschenkinder zum Abschied immer wieder hineingerufen: Der Bar-Kochba! Hedad!

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