Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 11 (1910)
- Issue
- 2 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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36 werden auch dtnn noch immer nicht genügend geprüfte Vorturner vorhanden sein, es ist aber von einem peinlichen Mangel an Vorturnern doch nicht zu reden; denn es sind ja stets bessere Turner genug am Platze, die an die Spitze einer Riege, welcher gerade der Vurturner '"fehlt, gestellt werden können. Daß auch ein geprüfter Vorturner hier und da abwesend sein kann, und daß auch die amtliche Eichung zum Vorturner nicht immer gerade Ideale vor die Riegen stellen kann, braucht wohl nicht erst näher erklärt zu werden. In den letzten Stunden war es manchmal der Fall, daß mit den Riegenführern gewechselt werden mußte; die Ursache ist darin zu finden, daß einzelne Vorturner, die sich während der Vorübungen zum Schauturnen übermäßig angestrengt hatten, auf ärztliches Anraten oder wegen des Gefühles der allzu großen Erschlaffung dem Turnen zeitweilig entsagen mußten oder noch entsagen. Dieser Zustand geht vorüber, und es wird wieder Regelmäßigkeit eintreten. Alle Anträge und Interpellationen an den Turnrat oder an die Plenarversammlung vermögen da nicht zu helfen. Es ist ia dabei auch zu bedenken, daß mit Beginn des Wintersemesters die Riegen sprunghaft gebildet werden müssen, und daß man zwar rasch Mitglieder, nicht aber in demselben Zeitmaße Vorturner gewinnen kann. Wir werden den eingeschlagenen Weg beharrlich verfolgen, trachten, alljährlich eine genügende Anzahl Vorturner auszubilden, so daß endlich dem Übel vollständig abgeholfen sein wird. Das Kinderturnen erfreute sich eines regen Besuches. Die Stunden waren durchschnittlich von 20 Kindern besucht, die mit Lust und Ausdauer turnten. — Zöglingsriege: durchschnittlich 36 Mitglieder; J. Lamberg und laglicht Vordienst. Eigene turnerische Veranstaltungen hatten wir im abgelaufenen Jahre nicht; bei dem am 3. April 1909 im Kursalon im Stadtpark stattgehabten Kränzchen des Vereins führten 20 Turner Keulenschwingungen vor, und eine Musterriege turnte am Barren. Am Verbands-Schauturnen in Berlin beteiligten wir uns in aus' reichender Stärke. Wir stellten eine Riege am Reck, eine zweite Riege am Barren. Nähere Berichte hierüber finden Sie in der betreffenden Nummer der „Jüdischen Turnzeitung". Zahlreiche Ausflüge wurden seitens der Mitglieder ausgeführt; nahezu jeden Sonntag wurden Turngänge unternommen; über den Verlauf derselben kann ich nähere Mitteilungen nicht machen. Sollen diese Ausflüge in Zukunft Vereinsmitglieder sammeln und zu diesem Zwecke in den Räumen des Vereins zum Anschlag gebracht werden, dann ist es nötig, hierzu die Zustimmung des Turnrates einzuholen, da dann der Turnrat ja gewissermaßen eine Verantwortung zu tragen hat. Vermischtes. Reichtum und Macht als Entartungsursache. Die riesenhafte Umwälzung der Vermögensverhältnisse, die Konzentration enormer Kapitalien in «Jen Händen weniger, der Ubergang der wirklichen Macht aus der Sphäre der I-Ürsten und Diplomaten in diejenige der Bankiers und Trustmagnaten hat für die letzteren ersichtlich schwere physische Schädigungen im Oefolge gehabt, die namentlich bei ihrer Nachkommenschaft zutage treten. Den Anstrengungen der ruhelosen Jagd nach dem Oelde, der permanenten Nervenüberspannuflg mag das einzelne Individuum bei robuster Veranlagung relativ lange gewachsen sein; daß aber die Erschöpfung des Organismus auf generativem Oebiet schon weit früher einsetzt, dafür liefern speziell die Familien der