Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 10/11 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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210 No. 10/H werken über der mächtigen, blühenden Stadt und zu ihren Füßen, ein großes Heiligtum der schützenden Göttin Athene. Tiefe Stille war ringsumher. Nur ein einsames Pärchen schien von Ruhe noch nichts wissen zu wollen und erging sich, Arm in Arm lustwandelnd, am Fuße der Akropolis. „In wenigen Tagen, teure Chrysilla, ist unser Schicksal entschieden, Eine innere Stimme sagt mir, daß ich bei den olympischen Spielen' siegen werde. Der Oedanke an dich wird mich bei den Kampfspielen erfüllen, und wenn ich mit dem ölkranz auf dem Haupte, von allen Seiten mit .den glän" zendsten Ehren begrüßt, vor deinen Vater hintreten werde, dann wird auch er seinen Adelsstolz aufgeben, und dann kann er dich mir nicht länger vorenthalten. Fühlst du das nicht auch?" So sprach der Jüngling, hoch und schlank von Gestalt, ruhig, ernst» würdevoll und edel von Ansehen, ausgezeichnet durch ein herrliches Ebenmaß der Glieder, zugleich von Kraft und Gesundheit strotzend; doch in jeder Bewegung zeigt sich Sittlichkeit und edler Anstand, die Folgen der solonisehen Erziehung. Selig lächelnd hörte sie, die ihn an Schönheit noch womöglich übertraf, zu. An Stelle des kühnen, alles bezwingenden Mannesmutes, drückte ihre schönen, regelmäßigen Züge edle Weiblichkeit, gepart mit Energie un Tatkraft, ihre feurigen, jetzt besonders strahlenden Augen, hingebungsvoi Liebe aus. .„ „Wohl fühle auch ich, daß du siegen wirst und bin schon jetzt stoi und selig durch deinen Besitz. Olaubst du mir aber, daß ich dir auch e_ klein wenig neidisch bin? Warum soll es denn nur euch Männern ver*°?,a sein, zu Ehren der Götter Ruhm und Ehren zu erwerben? Auch ich die Kraft und Fähigkeit in mir, an Wettkämpfen mit meinesgleichen nwcn zu beteiligen. Wir dürfen zwar immer Leibesübungen mitmachen zur *T ~ tigung unserer Oesundheit, doch werden wir vor allem dazu angehalten, in der musischen Bildung, namentlich in der Musik, zu üben, weil s°. j sagte, dies komme der Mäßigung, der Sanftmut und Bescheidenheit v näher. Warum bin ich nicht lieber in Sparta aufgewachsen? LyK machte den Frauen doch ganz andere Zugeständnisse." . Lächelnd hörte er ihr zu und erwiderte dann gelassen: „Das ist w richtig. Die Erziehung der spartanischen Frauen ist gleich der der M von eine öffentliche. Auch den Mädchen ist ein gymnastischer Kursus Staatswegen vorgeschrieben. Auf besonderen Übungsplätzen üben sie s ' in verschiedene Klassen nach dem Lebensalter eingeteilt, Im Hüpfen Anfersen, im Laufen, Ringen, Springen, im Wurf mit dem Diskus und " dem Spieß. Mit offenem Angesicht und zum Teil unbekleidet erschein^ fet- Jungfrauen nicht bloß auf dem Turnplatze, sondern auch oft auf dem m und sie wachsen auf diese Weise unter starken Muskelübungen, M. Sonne und in freier Luft derb und kräftig empor. Zu den olyfflP"ürie„ Spielen schicken sie zwar keine weiblichen Abgesandten, wohl ^^.i! en(j sich die Frauen an den Wettkämpfen in Sparta selbst beteiligen. waSLte meines Aufenthaltes in Sparta hatte ich Gelegenheit, einem solchen rx beizuwohnen. Es war ein schönes Schauspiel und gern würde ich es w sehen bei andern, nicht aber bei derjenigen, die ich zu meiner BJ*"teB> koren. Turnerische Leistungen, die als solche den Fachmann fesseln Kon < werden von einer Frau doch nicht geboten. Wir Turner betrachten _ Leistungen nur als hübsches Kinderspiel. Die ernsten und sittlich n stehenden ergötzen sich daran, wie ein Erwachsener sich über -- liehen Bemühungen eines Kindes freut, es den Großen gleichzumachen