Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 7 (7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 139 l|»s zu unserem Müller, bei dem wir vorsichtshalber Wohnungeil bestellt hatten, der aber ebenso vorsichtig gewesen war, sich anderweitig mit Gäste« zu versehen. Der Mann hatte schliesslich Recht: Für Turner ist ein Strohboden das rechte Nachtquartier. Der fand sich denn auch und hatte bis Morgens um 3 Uhr als „Ruhe"-Statt zu dienen. Die Nachtruhe erspare man mir zu schildern. Unsere Turner wissen, wie es da zugeht und haben solche Nächte in lieber Erinnerung, unseren gutbiirgerlichen Lesern aber möchte ich eine Gänsehaut ersparen. (Forts, folgt.) Zu Prof. Jägers 80. Geburtstag. Von Fritz Abraham, Berlin. Am 10. Juni d. J. feierte Prof. Dr. Heinrich Otto Jäger seinen achtzigsten Geburtstag. Er ist keiner von jenen, deren Namen in aller Munde, Jeren Forderungen sich Tausenden mit suggestiver Kraft als ßannerworte aufdrängen und sich durchsetzen; und doch hat er wie wenige der deutschen I unierei den Stempel seines Geistes aufgeprägt und ihre Jünger unmerklich seinem Ideale, der hellenischen „Kalokagathia", der Bildung des.Geistes durch 'las Fleisch, wie er es ausdrückte, nähergebracht. Jägers Streben richtet sich auf eine Vereinfachung turnerischer Übung. Er will die Geräte als Hemmnisse der gewohnten Übung des Lauies verstanden und überwunden wissen "iid alles Gekünstelte aus dem Betriebe bannen. Lauf, Sprung, Wurf und Ringkampf sollen nach griechischem Vorbild namentlich im Knabenalter betrieben werden und neben den ausgiebig zu pflegenden Ordnungsübungen zur wehrhaftigkeit erziehen. Hat auch Jäger selbst die letzte Forderung in späteren Jahren zurückgestellt, so ist zweifellos das Streben nach „Vereinuchung" schon heute allen modernen Turnpädagogen gemein. Die grundlegenden Schriften Jägers sind „Oymnastik der Hellenen" (1850) und „Neue I umschule" (1883). Letzterem Werke entnehmen die nachfolgenden Distichen, die bezeichnend sind für die Art, wie Jäger seine Übungen aus <;en natürlichen Bedürfnissen ableitet. Die sieben Übungen der Jägerschen Turnschuhs. (Neue Turnschule. 1883.) Das Stehen. Hebe Dein Haupt, Deine Brust; steh' fest und recke die Glieder! Aufrecht vom Schöpfer bestellt, stehe, der Herr des Geschöpfs! — Das Gehen. Alles bewegt sich dahin nach dem Weltengesetze des Fallens. I>rauf, dass erzittert der Grund! Schreite beflügelt einher! Das Laufen. Schwingen dem Aar; uns rüstiger Lauf! Hui, fliegenden Herzschlags Und hochschwellender Brust eilen wir freudig zum Ziel. Das Springen. Vorwärts! Höhen und Tiefen den Braven nimmer schrecken, Auf, Kameraden, im Sprung setzen wir jubelnd hinweg! Der Wurf. Sausend flieget das Erz aus Schulter und Hand nach dem Ziel hin. Hei, ob dem springenden Ger freut sich das mannliche Herz.