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Jüdische Turnzeitung · 1908-06-01 · 6 (6.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
6 (6.1908)
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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120 No. 6 Lemberg. Jüdischer Turnverein. Wir haben in den letzten Monaten über das gute Gedeihen unseres Vereins berichtet und möchten heute einiges aus seiner Qeschichte mitteilen, die von Interesse sein wird, da sie zeigt, wie dort, wo widrige Verhältnisse die Vereinstätigkeit zeitweise unterbinden, einige wenige Getreue in der Lage sind, durch anderweitige körperliche Betätigung den Zusammenhang zu wahren, um bei gelegener Zeit den Turnverein in ungeahnter Weise wieder aufblühen zu lassen. Den Mitgliedern jener Brudervereine aber, deren Erfolge zurzeit geringe sind, mag unsere Vereinsgeschichte ein Ansporn sein, in ihrem Fleisse nicht zu erlahmen, sondern auszuhalten, bis veränderte lokale Verhältnisse ihrer Arbeit günstigere Bedingungen bieten. Unser Verein besteht nominell seit 7 Jahren. Die Indolenz weiter jiidischer Kreise, Saalmangel und die geringe materielle Leistungsfähigkeit seiner Mitglieder bereiteten ihm in den ersten Jahren seines Bestehens ein wechselvolles Schicksal und veranlassten endlich seinen Vorstand, im Sommerhalbjahr 1906 den Turnbetrieb auszusetzen. Erst im Sommer 1907 ist es unserem Vereinsschriftwart gelungen, einen Sportklub zu bilden, der sich mit Fussball und leichter Athletik beiasste, in welchen Zweigen unser Klub sehr günstige Resultate aufweisen konnte. So ist es ihm gelungen, zu Ende der Spielsaison, einer Einladung des polnischen Spielklubs „Pogon" folgend, mehrere Siege über denselben davonzutragen. Derselbe polnische Klub hat jetzt schon den unserigen zu einem Spiel im Monat Mai eingeladen. Unser Klub bildete nun die Grundlage für das Wiedererwachen unseres Vereines zu aktiver Tätigkeit; der Klub führt den Namen „Hasmonäa". Die Mitglieder desselben bilden den Orundstock des Vereines, und wir hoffen, dass gerade diese Leute imstande sein werden, dem Verein eine günstige Zukunft zu sichern, und ihr Bestes für die Verbreitung der Turnidee in jüdischen Kreisen leisten werden. Trotzdem unserer Jugend, namentlich der der Mittelschulen, ein stark ausgeprägter Organisationstrieb innewohnt, ist es uns nur teilweise gelungen, sie für die Turnidee im allgemeinen und für unseren Verein im besonderen zu gewinnen. Sie haben mehr Freude am Burschenschaftenleben. Es bestehen sogar drei Verbindungen der Gymnasialjugend, die das Leben in den deutschen Burschenschaften bis ins kleinste Detail nachzuahmen bestrebt sind. Am 19. Januar 1908 fand nach einer mehr als zweijährigen Unterbrechung eine Generalversammlung statt. Es wurde eine Statutenänderung vorgenommen, ein neuer Ausschuss gewühlt, dessen Zusammensetzung dem Vereine eine günstige Zukunft zu sichern geeignet war, und demselben wurde aufgetragen, eine Propaganda für die Turnidee in grösserem Masse zu veranstalten. Soweit die Zeit es uns erlaubte, ist der Ausschuss seiner Aufgabe nachgekommen. Zu Propagandazwecken wurde eine kleine Feier veranstaltet, bestehend aus einem musikalisch-deklamatorischen Teil und aus turnerischen Übungen. In einer öffentlichen Versammlung hielt unser Obmannstellvertreter Herr Dr. Katz einen Vortrag über „Die Bedeutung des Turnens für die Bildung des Charakters". Die grösste Agitationsarbeit haben wir durch unser am 22. März d. J. veranstaltetes Schauturnen geleistet, von dem wir zu berichten bereits Gelegenheit gehabt haben. Der Verein zählt gegenwärtig gegen 120 männliche und 20 weibliche Mitglieder. Die Mitglieder gehören allen Ständen an, Gymnasiasten, Handwerker, Handelsangestellte, orthodoxe Jünglinge und — jedenfalls in einem sehr geringen Prozentsatze — Hochschüler. Trotzdem diese in drei Verbindungen und einem Leseverein organisiert sind, scheint die Turnidee und

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