Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 101 an Regen nicht zu denken sei. Zur festgesetzten Stunde, 2 Uhr nachmittags, fand sich wirklich eine stattliche Zahl Turner und Turnerinnen am Stadtbahnhof ßrigittabrücke ein, bereit, iede Unbill des April Uber sich ergehen zu lassen: Die Furcht war unbegründet. Nach einer guten halben Stunde Fahrt im vollgepfropften Abteil der berühmten Wiener Stadtbahn waren wir glücklich an Station „Kahlenbergerdorf" angelangt, von wo der Aufstieg auf die Wartburg Wiens, den Kahlenberg, angetreten werden sollte. Rüstig ging es aufwärts, vorüber an eben bebauten Weinbergen, Wiesen, Feldern und durch unsere stolzen Wälder, bis wir unter lebhafter „Diskussion" gegen 4 Uhr die Höhe erreichten und eine wunderbare Aussicht auf das alte Strombett der Donau, die gegenüberliegenden Ortschaften Korneuburg, Burg Kreuzenstein etc. genossen. Der Kahlenberg mit seinen Reizen ist einem grossen Teil der jüdischen Turner bekannt; hierher machten wir gelegentlich des III. jüdischen Turntages zu Pfingsten 1907 unseren ersten Ausflug, und jeder Teilnehmer wird sich gewiss noch gern dieses wunderbaren Stückes Erde in nächster Nähe Wiens erinnern. Nach Einnahme eines kieinen Imbisses, für den, da es Pessach war, die Damen in löblicher Weise gesorgt hatten, und nach dem Absingen einiger jüdischer Lieder wurden rasch mehrere Turnspiele, wie Drittenabschlagen usw. arrangiert, bis der stärker werdende Wind uns daran mahnte, dass der Abend nahe sei und man an den Heimweg denken müsse. Jetzt gings bergab, hindurch durch den in goldener Abendsonne leuchtenden Wald. Plötzlich bemerkten wir, dass sich unsere Gesellschaft in zwei Teile zerrissen ha-t, von denen wir — wir sind stets der erste Teil! — den zweiten trotz eifriger „Hedad"- und „Halloh"-Rufe nicht mehr finden können. So mussten wir denn allein weitermarschieren, Uber den Cobenzl, vorUber an rauschenden Quellen, manchmal bis zu den Knöcheln im Sumpfe und in Wassertümpeln — den letzten Merkmalen des Winters — watend, bis wir gegen 7 Uhr im Voroite Pötzleinsdorf landeten, um von dort aus direkt oder über Qersthof mit der „Elektrischen" nach Hause zu eilen. Am nächsten Abend konnten wir in der regelmässigen Turnstunde auch unsere Ausreisser begrüssen, die in gleicher Weise wie wir den Abstieg vom Kahlenberg nahmen, aber über Slevering den Heimweg antraten. A. B. Posen. Neuer Turnverein. Am Sonntag, den 29. März, veranstaltete unser Verein (zum erstenmale seit seinem Bestehen) ein allgemeines Riegen-Wetturnen in der städtischen Turnhalle am „Qrünen Platz", das durch gmeinsame StabUbungen der Damen-, Herren- und Zöglingsriege eingeleitet wurde. Um 4Yz Uhr marschierten die vereinigten Riegen in Dreier-Reihen in einer Stärke von 36 Mann in den Saal. Nach einem kurzen Umzug begannen die von unserem 1. Turnwart, Herrn Henry Cohn, «leiteten StabUbungen. Bedauerlicherweise stellten sich diese zuletzt als etwas zu schwer gewählt heraus (ausserdem war alles Hals über Kopf gegangen — wie leider immer bei unseren Veranstaltungen —) und so ist es erklärlich, dass die Ausführung der Übungen in bezug auf üleichmässig- Keit und Exaktheit etwas zu wünschen übrig Hess. Das Gesamtbild war jedoch ein recht zufriedenstellendes und reicher Beifall von selten des schau- ^'wn Publikums (ca. 250 Personen) belohnte unsere wackere Turnerschar. •S» möchte noch hervorheben, dass die hellblauen Schärpen, die unsere ' urner trugen — eine Ausbeute des III. Jüdischen Turntages in Wien — sehr viel zur Hebung des Farbenbildes beitrugen. Aus diesem Qrunde möchte L Aie überhaupt allen unseren Vereinen bei grösseren, öffentlichen Veranstaltungen empfehlen. Nachdem die Stabübungsturner den Saal verlassen hatten, mar-