Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 2 (2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 31 beschleunigt, dass der grosse, 15 000 Personen fassende Saal zu den Veranstaltungen des Turnfestes bereits benutzt werden kann. Vom Jl. bis 17, Juli wird die Turnerschaft Frankfurt auf dem Festplatz turnerische Vorführungen veranstalten. Am 18. finden dann die Begrüssung der von auswärts eingetroffenen Qäste und eine Jahn-Qedenkfeier in der Paulskirche, dem Sitzungsraume der National-Versammlung von 1848, statt. Am 19. Juli (Sonntag) bewegt sich der Festzug durch die Strassen der Stadt. An diesem Tage wie an den drei folgenden wechseln auf dem Festplatze die Übungen der Kreise, Wettkämpfe, Spiele usw. in bunter Reihe. Mit einer Turnfahrt nach dem Feldberg und der Verkündigung der Sieger in der Festhalle findet die Feier ihren Abschluss. An drei Abenden wird im Schauspielhause das von W. Henzen gedichtete Jahn-Festspiel zur Aufführung gelangen. Eine beschämende Tatsache muss der 8. Jahresbericht des „Vereins zurFörderungderBodenkulturunterdenJudenDeutschlands" konstatieren. Seine Bestrebungen, Juden innerhalb Deutschlands als Ackerbauer anzusiedeln, haben bisher deswegen Schiffbruch leiden müssen, weil im ganzen Reiche nicht ein einziger jüdischer Grossgrundbesitzer sich bereit fand, den ausgebildeten jüdischen Eleven auf seinem Oute eine Stellung zu gewähren, wo dieselben ihre Ausbildung hätten vollenden können! Und das. trotzdem die jungen Leute sich in ihrer Stellung als Hospitanten unter der Verwaltung der königl. Ansiedelungskommission so vorzüglich bewährt hatten, dass ihre Einstellung daselbst gern gesehen worden wäre, wenn nicht rituelle Bedenken entgegengestanden hätten. So mussten die meisten nach Kanada, Süd- und Nordamerika auswandern! — Und da beklagen wir uns noch Uber die Praxis antisemitischer Chefs gegenüber den jüdischen Handlungsgehilfen! Wahrhaftig, nationale Selbstachtung und Solidarität ist den deutschen Juden in schmerzlichem Masse abhanden gekommen. Einen gefährlichen Vorschlag machte jüngst Baron Meyendorff, der zweite Vize-Präsident der Duma und Führer der deutsch-baltischen Gruppe, ein sogenannter „Judenfreund", nämlich: die russischen Juden von der Militärpflicht zu befreien und dafür von ihnen eine bestimmte Steuer zu erheben. — Zwar haben die Juden nicht das geringste Interesse daran, ihr Blut fUr die Echtrussen zu Markte zu tragen, aber es kann für die körperliche Entwicklung der russischen Judenheit durchaus nicht gleichgiltig erscheinen, ob sie diese, wenn auch erzwungene und bösartige, aber doch ihre einzige Leibeserziehung, da die russische Schule eine solche nicht kennt, auch noch einbüssen sollten. Noch gefährlicher ist freilich, dass solchen Qesetzen, wenn sie durchgingen, mit Sicherheit die Erklärung der Juden als Ausländer folgen würde, die bereits jetzt schon vom Verbände echtrussischer Leute ihrem Protektor, dem Väterchen Zaren, als Petition unterbreitet wurde. Von der jüdischen Brigade in England. Am 26. Januar wurde in der jüdischen Frei-Schule in London eine neue Abteilung der „Jewish Lads Brigade" eröffnet. Die Institution der jüdischen Knaben-Brigade datiert ans dem Jahre 1896. Damals bestand die ganze Brigade aus 25 Knaben. Inzwischen hat diese Einrichtung grosse Portschritte gemacht, denn heute gibt es bereits 27 grosse, blühende Kompagnien in London, Manchester, Liverpool, Birmingham und Dublin. Unier den zahlreichen Gästen befanden sich der Richter Blgham, Qeneral Sir Alfred Turner, der Major von Stepney. Colonen Harry Lawson, Parlamentsmitglied königl. Rat Rufus Isaaks, Herr und Frau Stettauer, der den grössten Teil der Kosten für die Errichtung der neuen Kompagnie beschaffte, ferner Oberstleutnant Sir F. L. Nathan. (Kommandant der Brigade). Oberstleutnant E. Montefiore usw.