Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 5 (5.1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 No. 5 Stettin. Jüdischer Turnverein. Mittwoch, den 1. Mai, veranstaltete unser Verein eine gut besuchte Versammlung in der Randower Molkerei. Herr Dr. Bloede sprach über die „Juden als Rasse". Obwohl der Redner ein wissenschaftliches Thema mit wissenschaftlicher Gründlichkeit behandelte, fesselte er die Zuhörer wahrend l'/2 Stunde durch einen sprachlich glanzenden Vortrag, eine lichtvolle Darstellung und durch eine Fülle geistvoller Einwürfe und Bemerkungen. Er entwickelte, dass die einzig wirkungsvollen Rassenmischungen der Juden mehr als 2000 Jahre zurücklögen, sich also vor der Diaspora abgespielt hätten. Cerade wahrend dieser Zeit habe sich das aus verschiedenen Elementen (nicht nur semitischen) bestehende Judenvolk zu einer innerlichen Einheit zusammengeschweisst. Was da an fremden Elementen aufgenommen sei, wäre höchst unbedeutend. Wenn jüdische Frauen sich mit Nichtjuden verheiratet hatten, so wären die Kinder nie Juden geblieben. Jüdische Männer wären dagegen nur verschwindend selten Ehen mit Nichtjüdinnen eingegangen. Die heutige Judenheit sei ein selbständiges Volksindividuum, das wert und willens sei, sich auch in Zukunft zu erhalten. — Es wurden bereits 2 Turnfahrten in die Umgebung Stettins von unserm Verein gemacht, die gute Beteiligung fanden. Weitere regelmässige Turnfahrten oder Radtouren sind in Aussicht genommen. F. Blankenfeld. Vermischtes. Internationale Sport-Ausstellung Berlin 1907, veranstaltet vom Deutschen Sportverein, 90. April bis 5. Mai. Nun sage noch einer, der Sport sei für die soziale Entwicklung wertlos! Wenn das, was in den letzten Tagen in den Ausstellung** ballen am Zoologischen Garten zusammengetragen war, nicht ganz Reklamestapel ist, so wird der Sport tatsächlich bald ein machtvoller wirtschaftlicher Faktor werden. Die Grossartigkeit einer Industrie, die vor wenigen Jahren noch in den Kinderschuhen des Kleingewerbes steckte, verblüfft einigermassen, und die unübersehbar« Fülle genialer Erzeugnisse beweist, welch' Kapital im Sport investiert ist. Man wird objektiv die ganze Ausstellung mehr von dieser Seite, als von der des praktisch«" Sports würdigen müssen, man könnte sie überhaupt samt allem sportlichen Raffinemen einer solchen für technische Erfindungen angliedern; denn die Organisation ist nach kaufmännischen Gesichtspunkten geschaffen. Obwohl die instruktive Bedeutung der Ausstellung nicht überschätzt werde0 kann, trug das Ganze doch einen hervorragenden Schwung, wie ihn eben nur 01 Herausforderung nationaler Konkurrenzen erzielt. Die Anlage war eine Idee, u° im Mittelpunkt dieser Idee stand, alles weit überflügelnd, Schweden mit einem derartigen Aufwand heimischer Modelle, dass es fast beschämend war für die moderne Berliner Sportprodukte, als da sind Tennisgirl nnd Automobiliex. Was sonst no irgend mit dem Sport in losen Zusammenhang gebracht werden konnte — aD manch war er kausal bei aller Phantasie nicht zu ermitteln — war in Anordnungen einer bis ins kleinste auf den Effekt berechneten Ausstattung aufgespeichert, " hielt jedoch den Charakter der Ladenauslage. , Für den Turner ergab die Ausstellung wenig; aus dem grossen Gebiet deutschen Turnens habe ich überhaupt nur eins gesehen, ein Universalgerät v Max Rochlitz & Co. £• °' .. . Schwedische Musterturnhallen. (Internationale Sportausstellung, B™™£ Wie bei den alten Griechen ist bei drn modernen Schweden die Gymnastik Grundlage alles Spots. Ihr Turnvater ist P. H. Ling, der 1804 mit seiner e.ft liehen Tätigkeit begann. Das kgl. gymnasiastische Zentralinstitut in Stockholm