Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 41 Turnermarsche sind von allen Abteilungen des Vereins veranstaltet worden. Sie haben nicht nur gute körperliche Übungen, sondern zugleich auch Verständnis für die Natur und Liebe zu ihr gefördert und dem Vereine neue Freunde erworben. Im Ziel der Marsche war dem Verein bei unserer, an landschaftlichen Reizen so armen Gegend keine grosse Auswahl geboten. Darum mussten die alten schönen Marsche nach dem Eichwald, Kobylepole, Unterberg, Moschin, Schwersenz wiederholt werden. In Moschin bereitete uns der dortige Jüdische Gesangverein einen festlichen Empfang. Eine Neuerung, die sich gut bewahrt hat, wurde mit einem Nachtausfluge eingeführt, der in der Nacht vom 5. zum 6. Mai nach Schwersenz unter einer Beteiligung von 19 Mitgliedern bei Mondenschein unternommen worden ist. Ein neues Ausflugziel bot uns Szczepankowo bei Samter mit seinem schönen Park und Wald. Am 16. September hatten 52 Mitglieder des Vereins die Reise nach Samter gemacht, um im Verein mit dem neubegründeten Bruderverein, der damals zur „Jüdischen Turnerschaft" gehörte, den Ausflug nach Szczepankowo zu machen. An den Ausflug schloss sich ein Festkommers in der Stadt Samter an, zu dem wir die jüdische Bürgerschaft von Samter eingeladen hatten. Wir haben hier an der freudigen Aufnahme, die uns von dem Bruderverein in Samter und von den Juden der Stadt allgemein bereitet worden ist, wieder, wie in den früheren Jahren in anderen Städten, die Beobachtung machen können, dass der jüdische Turner, der frohen Mut und frisches Leben in unser jüdisches Haus und in die jüdische Gemeinschaft bringt, überall ein gern gesehener Gast ist. Wir werden darum auch in Zukunft gern unsere Turnmörsche in in Orte lenken, in denen wir Gelegenheit haben, in Verbindung mit der ansässigen jüdischen Bevölkerung zu treten und sie auf den Wert unserer Bestrebungen hinzuweisen. Die Turn spiele, die im Frühjahr und Sommer regelmassig auf dem Livoniusplatze stattfanden, erfreuten sich reger Beteiligung. Der Fechtkursus, der neu im Berichtsjahre eingeführt worden ist, hat an 2 Abenden in der Woche je eine Abteilung von 4 Fechtern zusammengeführt. Die Leitung hatten die Herren Dr. Kassel und Dr. Manasse. Es sind nunmehr durch diese ersten Kurse bereits eine grössere Anzahl von Herren so weit ausgebildet, dass ihnen die Leitung von Kursen anvertraut werden kann. Im nächsten Jahre dürfte daher ein grösserer Kreis von Mitgliedern zu den im Vereine sehr beliebten Fechtkursen zugelassen werden. Der Pflege der Geselligkeit wurde in altgewohnter Weise Raum gegeben. Ausser den regelmässigen geselligen Abenden fand zu Purim ein von der Frauenriege veranstaltetes Maskenfest statt. Am 24. Mai veranstaltete der Verein im Schützengarten ein „Jüdisches Volksfest", an dem ca. 800 Personen teilgenommen haben. Am 1. Dezember 1906 wurde das 4. Stiftungsfest in den Sälen des Zoologischen Gartens gefeiert. Wir blicken am Schlüsse des Jahres 1906 auf eine reiche und vielseitige Tätigkeit zurück. Die Erfolge, die erzielt sind, bilden für uns den besten Ansporn, auf allen Gebieten unserer Tätigkeit weiter zu arbeiten zum Wohle unserer Mitglieder, zur Förderung und zum Heile des Judentums.