Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 8 (1907)
- Issue
- 2 (2.1907)
- Date
- 1907-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4921092-5965113-5965257--1790-4924631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 No. -> sind keine jüdisch „konfessionelle" Vereinigung! Die Tendenz der Judischen Turnerschaft ist eine national-judische! Wir verstehen unter Nationaljudentum das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit der Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte, und den Willen, das Judentum auf dieser Basis zu fördern und zu kräftigen. Die Tendenz der Deutschen Turnerschaft ist eine deutsch-nationale im Sinne der deutschen Stammesgemeinschaft, denn die Deutsche Turnerschaft reicht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Ihre Aufgabe ist Zusammenfassung alles dessen, was deutscher Art ist. Das Gleiche erstreben wir für die Juden in der Jüdischen Turnerschaft. Jüdisch ist aber nicht gleich protestantisch oder katholisch ein konfessioneller Begriff, jüdisch ist gleich deutsch oder slavisch eine Stammesbenennung. Der Antisemitismus hat nicht zur Begründung der Jüdischen Turnerschaft geführt! Die sogenannte jung-jüdische Bewegung, welche eine Wiedergeburt des seit Jahrtausenden schwer niedergedrückten jüdischen Körpers bezweckt und sich gleichzeitig gegen das schmähliche bedingungslose Aufgehen der Juden in die Wesensart der anderen Völker wendet, hat das jüdisch-nationale Turnen geschaffen. Dass wir nicht den ständigen Anrempelungen des Antisemitismus zu stehen haben, ist nur ein weiterer Vorzug für unsere Mitglieder. Ihr Artikel stellt nunmehr den Grundsatz auf, däss die Deutsche Turnerschaft allein für „uns", damit meinen Sie jedenfalls „uns Juden", das rechte Wirkungsfeld sein könne. Demgegenüber sei darauf verwiesen, dass es unsere erste und grösste Aufgabe für die Zukunft ist, den schwer bedrückten Juden des Ostens in Russland, Galizien und Rumänien, die Segnungen körperlicher Betätigung zu bringen. Schon heute z. B. hat der Jüdische Turnverein „Bar Kochba" in Berlin, der in 9 Abteilungen ca. 600 Mitglieder zählt, eine besondere Abteilung für hier befindliche ausländische Juden eingerichtet. Glauben Sie wirklich, dass die Deutsche Turnerschaft auch nur Lust zu dieser schweren Aufgabe hätte? Und wenn wirklich, glauben Sie, dass die Juden des Ostens Vertrauen dazu hätten? Wenn Sie in die Judennot auch nur einen Blick von Spaltes Breite tun würden — Sie wären sicher von der Notwendigkeit unserer Arbeit gerade an dieser Stelle überzeugt. So wenig sich die Deutsche Turnerschaft an die Grenzen