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Jüdische Turnzeitung · 1906-09-01 · 9 (9.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
9 (9.1906)
Date
1906-09-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 9 155 Vor die Öffentlichkeit trat unser Verein mit einer grossen P u r i m - feier und am 13. Mai (L'ap blomer) feierte die Damenabteilung ihren einjährigen Bestand mit einem Kranzchen. Was den Mitgliederbestand anlangt, so war er im Laufe des Jahres vielen Veränderungen ausgesetzt und beträgt dzt. in der Männerabt. 20 ord., 6 ausserord., in der Damenabteilung 14 Mitglieder. Die Austritte werden durch Eintritte nur langsam wettgemacht, wozu ich bemerke, dass uns seit kurzem 4 Mitglieder (2 Damen und 2 Herren) durch Heirat zeitweise oder dauernd entrissen (I) wurden. Der Turnbesuch war durchschnittlich gut, die Damenabteilung „allezeit voran". Die Schülerabteilung wurde wie im Vorjahre fUr das Sommerhalbjahr sistiert. Zu den turnerischen Leistungen möchte ich meinen Turnbrüdern mehr Eifer wünschen, wenn der Erfolg nicht ausbleiben soll. Grossen Beifall hat sich bei der Purimfeier die Damenabteilung mit einem Stabreigen errungen. Die gescheiterte Alt-Herrenriege darf uns von neuen Plänen nicht abschrecken,, und ich möchte die Anregung des Obmann-Stellvertreters, Herrn Richard Neurath auf Schaffung einer Lehrlingsriege der besonderen Erwägung empfehlen. Zur Förderung der Geselligkeit im Verein fanden im Winter 14tägig zwanglose Zusammenkünfte statt. Im Sommer sind dem Betriebe einhalb- und ganztätige Turngänge eingefügt, die mit volkstümlichen Übungen und Spielen verbunden werden. Der Kassenbestand des Vereins zeigt erfreulicher Weise ansteigende Tendenz, so dass wir auch der Pflicht, den Verbandsfonds zu stärken, nachkommen konnten. Der Betrag ist leider nicht gross, aber er beträgt 5 pCt. unseres dzt. Barvermögens. Mögen nun auch die anderen Vereine unserem Beispiel folgen! Unsere Reisekasse endlich hat nach meinem Vorschlage die Bestimmung erhalten, dass sie nur zu Zwecken der Jüdischen Turnerschaft Verwendung finden dürfe. Um turnerisches Wissen zu vertiefen und jüdischen Geist zu heben, habe ich eine Vereinsbibliothek angelegt und Werke turnerischen wie allgemein jüdischen Inhalts gesammelt. Mit Bedauern muss ich gestehen, dass ich in dieser Arbeit von meinen Turngenossen nicht unterstützt wurde, was mich nicht hindern soll, das Begonnene fortzusetzen. Die Vereinsbücherei wird freilich nur langsam, aber umso sicherer ihre Wirkungen entfalten. In organisationischer Hinsicht ist viel zu tun übrig. Nicht "ur Billigkeit, sondern auch das Interesse des Vereins erheischt es, dass wir d«r Damenabtellung ordentliche Mltgliederrechte zugestehen; auch dürfte die Annahme der Verbands-Musterstatuten von Vorteil sein. Zuletzt, doch nicht das letzte, ist es die A g i t a t i o n, der wir ein besonderes Augenmerk werden Zl> schenken haben und die wir eigentlich nie recht betrieben haben. Als Mitglied der Verbandsobmannschaft endlich habe ich es als meine Pflicht erachtet, mich in den Dienst der gemeinsamen jüdischen Turnsache *JJ stellen, einer Pflicht, der Ich umso freudiger nachkam, als sie meiner Uberzeugung entsprach. Es erübrigt mir noch, mich an dieser Stelle von der Verbandsleitung mit den Worten herzlichsten Dankes zu verabschieden dass sie mir stets nach bestem Können mit Rat und Tat zur Seite Restanden ist. Siegmund Leicht.

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