Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 7 (1906)
- Issue
- 9 (9.1906)
- Date
- 1906-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 151 Kräfte mitzuarbeiten an dem Werke zur Wiedererstarkung des jüdischen Volkskörpers. Nach diesem hohen Ziele soll uns unsere Arbeit führen. Jüdische Tarnerschaft, Hannover. „Die Jüdische Türnerschaft Hannover" wurde am 10. März 1904 gegründet. Zur Zeit zählt sie einen Mitgliederbestand von 40 Herren, zu denen noch 20 nicht stimmberechtigte Mitglieder der Damenriege traten. In jeder Woche findet ein Turnabend statt. Für die Männerabteilung ist es uns leider bis heute infolge unserer, noch im folgenden näher zu erörternden, überaus schwierigen Stellung in unserer Gemeinde noch immer nicht gelungen, eine allen Anforderungen genügende Turnhalle zu gewinnen. Doch scheint die nächste Zeit die Lösung dieser so bedeutsamen Frage zu bringen. Bis heute muss sich unsere Männerabteilung mit einem Turnsaale in der Königswarte (Brühlstrasse 10) begnügen, wo jeden Mittwoch, im Durchschnitt von 20 Mitgliedern, von 9—% 11 Uhr unter Leitung eines Turnlehrers geturnt wird. Zu gleicher Zeit turnt unsere Damenriege in der Städtischen Turnhalle an der Friesenstrasse unter Leitung einer geprüften Turnlehrerin. Im Sommer finden ausserdem mehrfach Turnfahrten in die weitere Umgebung Hannovers statt. Unsere Stellung innerhalb des jüdischen Gemeindelebens ist von Anfang an eine äusserst schwierige gewesen. Eine unausgesetzte Reihe von Kämpfen nach innen und aussen ist uns in den zweieinhalb Jahren unseres Bestehens beschieden gewesen. Dass wir trotzdem heute eine achtunggebietende Stellung einnehmen zeugt von der inneren Notwendigkeit unserer Existenz, von der Lebenskraft des Judentums, dem wir dienen. Die inneren Kämpfe drehten sich vom Tage der Gründung an um den Namen des Vereins. Der Name des Vereins „Jüdische Turnerschaft" erschien einer Anzahl unserer Mitglieder von je her zu herausfordernd, und' so wandten uns diese schon nach wenigen Wochen den Rücken und schlössen sieb zu einer besonderen Turnvereinigung zusammen. Noch schwerer waren und sind die Kämpfe und Anfeindungen, denen wir aeit Bestehen des Vereins von Seiten der Jüdischen Gemeinde, insbesondere einiger führender Herren in ihr, ausgesetzt sind. Da man unsere Bestrebungen nicht mit Gründen wiederlegen konnte, sucht man sie durch beweislose und unbeweisbare Behauptungen zu verdächtigen. Alle diese Angriffe gipfeln darin, wir verfolgten das Turnen nur als Nebenzweck, Hauptziel unseres Vereins sei Propagierung zionistischer und nationaljüdischer fdeen. Dieses Märchen — etwas anderes ist es nicht — hat man bis in die jüngsten Tage in der Presse und bei jeder anderen Gelegenheit verbreitet, trotzdem wir entsprechend der Mehrheitsanschauung unser Mitglieder uns streng von allem ferngehalten haben, was ausserhalb des rein Turnerischen gelegen ist. Was schliesslich die Finanzlage unseres Vereins anbetrifft, so halten sich Einnahmen und Ausgaben eben die Wage, wenn auch die letzteren e'n wenig überwiegen. Um dem abzuhelfen, haben wir in der