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Jüdische Turnzeitung · 1906-09-01 · 9 (9.1906) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
7 (1906)
Issue
9 (9.1906)
Date
1906-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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148 No. 9 wenn wir es glaubten, hätten Pogrome und Ausweisungen uns besser belehrt. Immerhin aber ist die „Moderne" als der Ausdruck der geistigen Höhe, die die Menschheit nach Ueberwindung aller vor dem heutigen Tage gewesenen Irrtümer erklommen hat, als die Summe aller durch die Filtration der Geschichte gereinigten und verfeinerten Schönheits- und Wahrheitsvorstellungen der neuen und jugendfrischen Zeit — ein so hoher und respektabler Begriff, dass auch wir Nationaljuden darauf halten mögen, uns in schönem Einklang mit ihm zu wissen. Unsere innere Stellung zum „Alten" in der Geschichte unseres Volkes ist nun so: dass wir mit Gehobenheit all das Grosse und Eigenartige anschauen, das es in Gesetz, Religion, Moral, Naturgefühl, Poesie, Bodenkultur, Erwerbfleiss, Unterrichtswesen und jeder Art von Lebensweisheit verkörperte; dass wir ferner zwar, durch diese Leistungen bestimmt, auch in allen Phasen und Perioden dem wie immer auch sich offenbarenden Streben unserer Väter Achtung zollen, dass wir aber durchaus nicht die Sklaven aller ihrer Gedanken und Taten sind, sondern in dem Bewusstsein, dass auch sie irrende Menschen waren, von ihren Irrtümern abrücken und unsere eigenen, neuen, von anderen Völkern und Zeiten überkommenen Wege zu gehen gewillt sind. Wir fühlen und denken, wie unsere Ahnen dachten und fühlten, da wo sie eigentümlich jüdisch, wo sie gross, ihrer Zeit voraus, wo sie e w i g waren. Wir halten's mit der neuen Zeit, wo sie uns in neue, unseren Vätern unbekannte, ihrer zeitlich begrenzten Anschauung sogar entgegengesetzte, wenn nur wahre, gute und schöne Welten einführt. Oder anders ausgedrückt: wir wünschen uns ein solches Seelenleben, wie es einer unserer Ahnen aus der Prophetenzeit mit allen grossen und kleinen Eigentümlichkeiten des jüdischen Wesens, der zugleich die Erfahrung, den Weitblick und die verfeinerte Organisation unserer Moderne hätte, n"1 Notwendigkeit offenbaren müsste. Das heisst, historisch, national denken und zugleich modern sein. Natürlich ist da, wo wir und unsere Ahnen uns widersprechen, eine gewisse empfindliche Stelle in uns vorhanden, die zuweilen zum inneren Riss bis zur Zerrissenheit werden kann. Andererseits wird eine wundervolle Genugtuung fühlbar, wo wir in grossen und schwerwiegenden Menscbheitsfragen eine merkliche Harmonie zwischen der Meinung unserer Alten und der modernen Erkenntnis festzustellen vermögen. Dann finden wir uns als Menschen un

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