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Jüdische Turnzeitung · 1905-05-01 · 5/6 (5.1905) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
6 (1905)
Issue
5/6 (5.1905)
Date
1905-05-01
Page
[Seite] (sequence 62)
Language
German
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128 No. 5/0 erwarten sollten. Und man darf sagen, daß auch hochgespannte Erwartungen nicht enttäuscht wurden. Das Fest fand am Sonnabend, den 18. März, im Viktoriasaale statt. Seinen Hauptbestandteil bildete der allumschließende Tanz, der in musterhafter Weise von Herrn Mütschenich geleitet wurde. Das eigentliche Programm sah nur drei Nummern vor; die waren aber in ihrer Art vollendet. Herr Oskar Platz sang als erster einige Lieder. Wir haben den vielversprechenden Sänger zuletzt vor ungefähr einem Jahre gehört. Damals hatten wir den Eindruck, daß Herr Platz über ein ganz hervorragendes Stimmmaterial verfüge, daß er aber noch singen lernen müsse. Nun, diesesmal können wir konstatieren, daß er in der Zwischenzeit gelernt und viel gelernt hat. Er verstand es, den ganz kolossalen Umfang seiner Stimme in ebenso diskreter als wirkungsvoller Weise zur Geltung zu bringen; sein Vortrag zeugte von Geschmack und Tiefe der Auffassung. Wir glauben nicht zuviel zu sagen, wenn wir Herrn Platz, der sicher noch eifrig lernen wird, eine schöne Zukunft voraussagen. Als Sänger und Tänzer produzierte sich Herr Max Salomon. Wir bewundern nicht nur die für einen Dilettanten ungewöhnliche Ungezwungenheit des Vortrages, sondern auch den Chik und die Grazie, die dieser Herr als Dame entfaltete. Nun aber zur Sensation des Abends. Als „piece de resistance" diente ein Theaterstück: „Der Purimball oder Liebe und Hiebe,, moderne Komödie ohne Ausstattung, aber mit etwas Judentum, Gesang und Tanz von „Parnes". Daß unter diesem etwas durchsichtigen Pseudonym, unser allverehrter und unermüdlich für den „Jüdischen Turnverein" arbeitender Vorsitzender, Herr Julius Berg er, sich verbirgt, wußten alle, die dem Stücke lauschten. Was wir da auf der Bühne hörten, war seine Sprache: stolzes Judentum, starkes Nationalbewußtsein, fort mit den Leisetretern, nicht Ducken und Kampf bis zum Sieg. Das alles in harmloser Form mit Witz und Humor durchtränkt. Es empfiehlt sich bei ähnlichen Veranstaltungen dieses Werkchen zur Aufführung zu benutzen, denn es verbindet in ungezwungener Weise eine geschickte Reklame für die Zwecke des Turnvereins mit einer ernsthaften Betonung seiner jüdischen Ziele. Gespielt wurde äußerst flott und gut. Insbesondere Herr Alfred Salonion war als Vater ausgezeichnet und von einer drastischen Komik. Auch die übrigen Rollen wurden von dsti Damen Meyer und Berger und den Herren Berkovicz und Kratz elegant und sicher durchgeführt. Nach Schluß der Aufführung erschall stürmischer Beifall und als nach langem Hervorrufen der Verfasser sich zeigte, war des Jubels kein Ende. Das sehr gut besuchte Fest, das außerdem einen Reinertrag von ca. 170 Mark aufwies, verlief Alles in Altem tadellos. M. G. Briefkasten. Stettiner Jüdischer Turnverein. Dank für die Nachtturnfahrtsgrüsse. Der Ausschuss. Voranzeige! Unser diesjähriger Sommerausflug findet am 9. Juli in Form einer Dampferpartie nach Ziegenhals am Crossinsee statt! Da das Vergnügungs-Komite bemüht ist, möglichst vielen einen genussreichen Tag zu verschaffen, so ersuchen wir heute schon, sich diesen Tag reserviert zu halten. Jüdischer Turnverein „Bar Kochba", Berlin. I. A.: Bruno Dobrzynski, Poststrasse 26.

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