Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 1 (1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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So. 1 15 entfesselten! Vor Ausführung dieser 2 Nummern hielt Herr Baumeister Sonnenschein, als Obmann des Przivozer Turnvereins, eine tiefempfundene Ansprache an die Besucher, in welcher er den Wert des Turnens für das jüdische Volk in treffender Weise hervorhob, Indem er dasselbe nicht nur als Mittel zur Erstarkung des letzteren, sondern auch als einigendes Band für die gesamte Judenheit hinstellte. Reicher Beifall lohnte diese Ausführungen. Nach Beendigung ihrer Übungen Uberreichte der Vize-Obmann des Bielitzer Vereins Herr Moris Huppert mit einer kurzen Ansprache den Przivozern in Anerkennung ihrer turnerischen Leistungen einen mächtigen Lorbeerkranz. Die Fräulein Knopp und Ida Rosenbaum von der Mädchenriege führten in schneidiger Weise in schmucken Kostümen nach dem Takte der Musik ein Säbelfechten durch, welches so gefiel, dass es noch einmal wiederholt werden musste. Die Gesamtheit der Mädchenriege trat in einem Puppenspiel auf und arbeiteten als automatische Turnerinnen mit Keulen, Hanteln, Fahnen, Stab, am Barren und am Pferd in vorzüglicher Weise, wobei sich besonders Fräulein Rosenbaum und Fräulein Josefine Pick als graziöse Pferdturnerinnen auszeichneten. Für die Heiterkeit dieser Scene sorgten die Herren M. Löwy und F. Richter, ersterer als Impresario, letzterer als Puppenkäufer, durch ihren unverwüstlichen Humor. Herr M. Löwy sang noch später das Mechledilcouplet in Uniform in ergötzlicher Weise, worauf Herr Samuel Richter auch seinerseits für Heiterkeit durch Vortrag eines Jhumorischen Liederpotpourris aus der „versunkenen Glocke" sorgte. Fräulein Regina Landerer und H. C. Redisch, unter den zahlreichen Mitwirkenden die einzigen 2 Nichtturner, boten beifallsvoll aufgenommene Liedervorträge und wurden von Fräulein Dora Goldmann am Klavier begleitet. Um V2I Uhr begann das Tanzkränzchen und dauerte in Ordnung und Strammheit bis 5 Uhr früh. Das letzte Stiftungsfest des jüdischen Turnvereins wird gewiss allen Beteiligten in angenehmer Erinnerung bleiben. Köln. Am Samstag, den 2. Januar, feierte der jüdische Turn-Verein zu Köln seine Makkabäerfeier im grossen Saale der Philharmonie. Dabei zeigte sich so recht deutlich, wie sehr der Verein an Ansehen und Sympathie in der Kölner Judenschaft zugenommen hat. Waren wir im Vorjahre stolz auf die 400 Besucher unseres damaligen Festes, so konnten wir heuer über 600 zählen. Aber noch eins zeigte sich und wurde allgemein anerkannt: der grosse Fortschritt, den der Verein in turnerischer Beziehung gemacht hat. Das zu zeigen, war das Programm, das hauptsächlich aus turnerischen Darbietungen bestand, so recht geeignet. Der Aufmarsch und die Freiübungen (mit Stäben) klappten tadellos, das Riegenturnen an Pferd, Barren und Reck wurde exakt ausgeführt und im Kürturnen an Barren und Reck wurden teilweise aussergewöhnliche Leistungen erzielt. Auch die Pyramiden standen sehr schön, besonders aber gefiel das Keulenschwingen, dass von 9 Turnern der 1. Riege nach dem Takte der Musik elegant-und sicher vollführt wurde. Herr Salomo hatte die Festteilnehmer zu Anfang begrüsst und später hielt der Vorsitzende, Herr Berger, die Festrede, die in einer offenen Dar» legung der Vereinsziele gipfelte und manchen Irrtum berichtigte.