Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 10 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Sportliches Winierprogramm. Von Max Kikol-er. Der Höhepunkt der sportlichen Sommersaison ist überschritten, und ea ist an der Zeit, an die Vorbereitung für den Winterbetrieb zu denken. Es handelt sich nicht nur darum, den einzelnen Sportsmann während der Wintermonate durch regelmäßige Uebungen in Form zu halten, sondern in der Hauptsache '•die, am Schluß jeden Sommers drohende Flauheit und Interessenlosigkeit zu verhindern, indem man durch ein vielseitiges anreizendes Winterprogramm die Massen zusammenzuhalten sucht. Allzu oft haben wir die traurige Erfahrung machen müssen, daß mit dem letzten sportlichen Ereignis im Herbst auch unsere Sportsleute von der Bildfläche verschwinden, und daß daher von einem geordneten Betrieb während der Wintermonate keine Rede sein konnte. Erst in den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgerungen, daß die kalte Jahreszeit durchaus kein Grund sei, zu ruhen oder seine Energien anderweitig, teils auf amüsante Weise zu verschwenden, sondern, daß wir auch im Winter die Möglichkeit haben, unsere sportlichen Uebungen, wenn auch in etwas anderer Form, fortzusetzen. Da sind es in erster Linie «die Waldläufe. Wer jemals selbst an einem solchen hingen- und herzerquickenden Lauf ,an winterklarem kalten Abend durch schneebedeckten Wald teilgenommen hat, weiß genug von der überraschend angenehmen Wirkung auf Körper und Seele zu erzählen. Die Mitglieder treffen sich in den Abendstunden an irgend einem Wochentag m einem, außerhalb der Stadt, wenn möglich in waldiger Gegend, liegenden Lokal^ von wo aus der Waldlauf stattfindet, zusammen. Es dürfte sich empfehlen, bei größerer Beteiligung in zwei Gruppen zu laufen, und zwar in der ersten die . schon gut durchtrainierten Lang- und Mittelstreckenläufer, in der zweiten alle übrigen. Durch diese Teilung in zwei Gruppen wird einmal erreicht, daß die Ersteren in Bezug auf Tempo und Dauer des Lautes sich keinen Zwang mit Rücksicht auf die minder Leistungsfähigen anzutuu brauchen und zweitens, daß die Nichtplazierten der zweiten Gruppe, bei denen, weniger Wert auf Schnelligkeit als vielmehr auf Gleichmäßigkeit des Schritts und Haltung gelegt werden soll, vor Ueberanstrengung bewahrt werden. Während die Laufzeit dieser zweiten Gruppe nicht über 30 Minuten ausgedehnt werden soH (im Anfang genügt eine viertel Stunde), kann man die erste Gruppe in allmählicher Steigerung von Woche zu Woche bis H/a Stunden laufen lassen; dem Leiter ist jedoch dringend anzuraten, bei der Auswahl der Läufeer der Gruppe I mit größter Vorsicht auszumustern, Nach Beendigung des Laufens hat man sich sofort umzuziehen und nicht zu kalt zu wasCen, am besten mit halbteuditem «uch abzureiben. Sportliche Uebungen in der Halle ist der Teil unseres Winterprogramms, dessen weiteren Ausbau wir ganz besonders fördern sollten. Hier ist denjenigen, die sich infolge allzugroßer Empfindlichkeit der Atmungsorgane und Neigung zu Erkältungen an den Waldläufen nicht beteiligen können, Gelegenheit geboten, durch systematische Freiübungen, Hanteln, Startübungen, WM?en un(* dergl. ihrem Körper die nötige Elastizität zu bewahren. Für die Waldläufer bieten die Uebungen in der Halle eine durchaus zweckmäßige Ergänzung, da hier gerade in der Ausbildung und Entvvickelung der Armuna aer gesamten Oberkörpermuskulatur viel gewonnen wird. Brustmann empfiehlt in seinem Olympischen Trainierbuch zum Zwecke größerer Muskel- Krattigung das Reißen und Stoßen (schwerer Gewichte. Er geht von der j^ora"ssefzung aus, daß alle sportlichen [Leistungen durch die Zunahme an Muskelkraft (also größeres Muskelvolumen und auch größeres Körpergewicht) gesteigert werden und gibt, an Hand einiger Beispiele, seine Erfahrungen, die wi ht ^ra'ner bei seinen Zöglingen mit diesen Uebungen mit schweren Ge- •j u"ten gemacht hat, wieder. Demnach ihaben sich besonders bei Jugendt ,.en> deren Entwicklung noch nicht abgeschlossen war, große Erfolge festkeilen lassen, u. a. Zunahme des Körpergewichts bis zu 15 Pfund in 8 Wochen, Vermehrung des Glieder- und Rumpftimfanges um 2—5 Zentimeter und Steige- 1 0