Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 7/8 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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46 Das — oder besser gesagt — die Feste verliefen in entsprechender Stimmung. Wenn auch sportliche Details dem fachlichen Urteil überlassen bleiben, soll deshalb doch hier über Aufbau und Verlauf des Sportfestes kurz berichtet werden. Wir hatten uns nach reiflicher Ueberlegung entschlossen, das Fest dem Sport und dem Turnen zu weihen, uns auf beiden Gebieten über das Erlernte und zu Erlernende auszuweisen und hierbei folgerichtig die Leistungen beider Geschlechter gleichermaßen zu zeigen. Freiübungen, von Herrn Rechtern, von der Schablone altgewohnter Ueberlieferung befreit, Musterriegen am Barren, an dem unsere Berliner und Breslauer Turner und Turnerinnen uns deutlich uberlegen waren und prachtvolle Leistungen zeigten. Rhythmische Uebungem der Madchen, von Fräulein Goldschmidt geleitet, wechselten mit Laufkon*urrenzen, Hoch-, Weitsprung, Kugelstoßen und Hockeyspiel-Vorführung. Der allgemeine Eindruck war der, daß die Herren- und Damen-Abteilungen von Berlin und Breslau uns weit überlegen waren, daß aber die jugendabteilungen von Hamburg stärker blieben und erfreuliche Ansätze für künftige Leistungen zeigten. Als um 7 Uhr der sportliche Teil mit einer kurzen Ansprache von Dr. Auerbach beendet war, hieß es, sich für den Gemütlichen im Curiohaus rüsten, wo die Preisverteilung und ein geselliges Beisammensein die Kämpfer una Angehörigen vereinigen sollten. Eine Reih« von schönen Bronzeplaketten, von dem bekannten Frankfurter Bildhauer Leo Horowitz geschaffen, und eine Reihe jüdischer Bücher bildeten die Preise, in die sich alle konkurrierenden Vereine teilten. Dann folgten sehr vergnügte Darbietungen, alle aus eigenen Bar Kochba-Kräfte* bestritten, die viel Beifall fanden. Eine Festzeitung berichtete aus alten, guten und schlechten Tagen des „Bar Kochba", ein fabelhaftes Drama berichtete von den wöchentlichen Erschütterungen des Familienlebens in einer infolge Zugehörigkeit zum „Bar Kochba" und „Blauweiß", gutzionistischen Häuslichkeit, schone Tanzvorführungen, Rezitationen jagten sich — mit einem Wort: nichts fehlte. Mancherlei Begrüßungen, Telegramme, Briefe — so besonders der unseres Gründers Dr. Tuch — ließen Vergangenheit und Zukunft vor unseren lAugen aufsteigen, so daß wirklich jenes liebe Gefühl familiärer Solidarität entstand das unserem Krdis nottut. Kein Wunder, daß der Montag noch einen wohlgelungenen Ausflug flach Blankenese mit Elbe-Bad und Wasserkämpfen brachte, daß noch vor der Abreise am Abend das Logenheim ca. 100 aJte und junge Tumbrüder und Turösekwestern sah, wo — so sind, so waren wir, — ein Stündchen dem Zeitgeist des Tanzfimmels geopfert und noch allerlei vorgeführt wurde, bis die Eisenbahn den größten Teil der Freunde entführte und mit ihnen die Festtagsstimmung. Die oft geäußerte Zufriedenheit unserer Gäste hat uns sehr gefreut; wir hoffen viel für unserer aller Arbeit aus diesem herzlichen Zusammensein und nennen noch — nicht um Dankeswillen, sondern zu unserer eigenen Erinnerung — einige unserer Getreuen, die die schönen Tage haben bereiten helfen: Frida Burchard, die Unermüdliche und nie Nervöse, Hanny Moses, die Begeisterte und Emsige, den qualmenden Hefter, den in allen Sätteln gerechten Lanzkron, die Kolpe .... ich sehe das geht nicht so weiter, sonst käme man nicht zum Ende. IDie sportlichen Leistungen bewegten sich auf mittlerer Höhe. nie Einzelläufe über kurze und mittlere Strecken brachten gute Zeiten. Bei intensiver und genauerer Arbeit wäre hier noch mehr zu erreichen. Dagegen waren die 3000 m schlecht besetzt. Die abgestoppte Zeit 10.58 war bei der Bahn zuviel. Hamburg machte den Fehler, völlig untrainierte Leute an den Start über 400 und 3000 m zu stellen. Zu Anfang der jüdischen Turn- und Sportbewegung konnte dergleichen gemacht werden. Außerdem wirkt es unschön, wenn Leute in unmöglicher Haltung über die Bahnen trotten. Im Hochs#rung und Kugelstoßen sind die erzielten Resultate nicht zufriedenstellend, wenn Simon als Mittelstreckenläufer beinahe D m stößt, ist die Leistung füf einen Mittelstreckenläufer gut; für ein Sportfest genügen diese Leistungen nicht. De" Würfen merkte man an, daß allzuviel Wert auf Wurfübungen nicht gelegt worden