Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 4 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 werk und der Bodenkultur zuzuführen. Denn einzig und allein hierin sah er die Möglichkeit, der Degeneration unter den Juden — die im Laufe der Jahre das Land verlassen hatten und in die Städte übergesiedelt waren, und sich im starken Kampf ums Dasein in ihren Kräften erschöpft hatten — Einhalt zu tun. Mit Entsetzen hatte er festgestellt, dass die Juden weit über den bei andern Völkern üblichen Prozentsatz hinaus die Sanatorien und Nervenheilanstalten füllen (? Die Red.), dass unter den geistig schwach entwickelten Kindern eine grosse Zahl jüdischer sich befand. Sollte das Judentum nicht fortgesetzt dauernden Schaden nehmen, so musste unbedingt eine Berufsumschichtung Platz greifen Dieser Anschauung zum Siege zu verhelfen, war nicht leicht Musste doch mit der Tatsache gerechnet werden, dass in den meisten jüdischen Kreisen m der Hauptsache nur die geistige Arbeit hochgeschätzt ,\vurde. Aber Simon Hess sich nicht beirren. Getreu den Goetheschen Worte: „Mit einer erwachsenen Generation ist nie viel zu machen, in körperlichen Dingen wie in geistigen, in Dingen des Geschmackes wie des Charakters. Seid aber klug und fangt in den Schulen an — und es wird gehen!" machte er einen kräftigen Anfang mit der Begründung der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem, die er damals Erziehungsanstalt nannte, um anzudeuten, dass die Jugend möglichst früh schon für die praktische Tätigkeit erzogen werden müsste. Ungeheure Schwierigkeiten stellten sich dem Beginnen anfänglich in den Weg. Vor allem musste das Vorurteil der Eltern bekämpft werden. Keiner wollte sein Kind zunächst für den Beruf eines Gärtners hergeben, denn man versprach sich davon keine Zukunft. Das Material, das der Schule zur Verfugung gestellt wurde, war zunächst ein mangelhaftes. Es herrschte eben noch die Anschauung, dass für Gartenbau und Handwerk gerade jeder tauge, der für andere Berufe nicht zu gebrauchen sei. Nachdem dann diese Elemente ausgeschaltet waren, die Nützlichkeit der Bestrebungen von weiteren Kreisen eingesehen und Erfolge erzielt waren, da kam auch das bessere Material, mit dem man rechnen musste, wenn man Pioniere auf diesem Gebiet schaffen wollte. Nachdem das Institut eine Reihe von Jahren bestand kam das Schülermaterial so reichlich, dass nicht alle Aufnahme finden konnten. Es wurde der Beweis erbracht, dass der jüdische Knabe bei seiner grossen körperlichen und geistigen Entwicklungsfähigkeit mindestens so gut geeignet ist, auf dem Geb&et von Gartenbau und Handwerk etwas zu leisten, wie der christliche. Simon stand auf dem Standpunkt, dass die geeignetste F°rm der Bodenkultur für den Juden der Gartenbau sei denn er ermöglicht es, in der Nähe der Stadt zu leben, die Selbständigkeit erfordert keine grossen Mittel und der rege Geist findet in diesem Kulturzweig volle Befriedigung; ferner gewährt der rationelle Gartenbau eine gute, auskömmliche Existenz. Im Laufe der Jahre wurden in Ahlem eine grosse Reihe tüchtiger junger Leute ausgebildet, im