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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 4 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
4 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 In Handwerk und in der Industrie leisteten sie vom leichtesten bis zum schwersten Gewerbe Vorzügliches. Sie waren tätig nicht nur in der Schneiderei und, im Bäcker ei gewerb e, sondern sie betrieben auch das Schmiede-, Maurer- und Qerbe-Handwerk. In Spanien und Frankreich waren sie als Arbeiter in den Bergwerken anzutreffen, in Naumburg betrieben sie eine Saline, in den Mittelmeerländern Seidenweberei und Farberei. In Sizilien wendet sich der Königliche Rat gegen die Pläne zur Vertreibung* der Juden und macht geltend „dass in diesem Reiche fast alle Handwerker Juden sind. Wenn diese alle auf einmal abziehen, so wird für die Christen ein Mangel an Arbeitern entstehen, die den Bedarf an mechanischen Gegenständen, besonders an Eisenarbeit, Erdarbeiten, wie auch zur Ausrüstung an Schiffen, Galeeren und anderen Fahrzeugen zu erzeugen geeignet sind." Mit dem späteren Mittelalter wurde es anders Da setzte ein gewaltiges Streben ein, unsere Väter von Handwerk und Bodenkultur auszuschalten. Sie durften weder Land erwerben noch Pachtungen vornehmen, die Zünfte liessen sie andererseits auch nicht in das Handwerk hinein. Die einzige Möglichkeit, sich zu ernähren, fanden sie im Handel, vor allem im Geldhandel, der ihnen nicht nur als alleinige Erwerbsquelle offen stand, sondern ihnen sogar geboten war. i Erst mit der Emanzipation wurden ihnen die Schranken langsam wieder geöffnet und sofort traten einsichtige und verständige Männer auf, die der Zuführung der Juden zu Handwerk und Bodenkultur das Wort redeten. Es bildeten sich Vereine zur Forderung von Handwerk und Bodenkultur unter den Juden, wie solche auch heute noch — ca. 50 an der Zahl — t»6" stehen. Wenn diese Versuche nicht das Ergebnis hatten, das sie haben mussten und konnten, so lag das in der Hauptsache wohl daran, dass die Erziehung unserer Jugend nicht auf die Erreichung dieser Ziele eingestellt war. Hinzu kam, dass viele Elemente ins Handwerk gingen, die nicht dazu geeignet waren, und infolgedessen auch wirtschaftlich nicht so vorwärts kamen, wie sie es erwartet hatten. Die Wertung, die das Handwerk damals fand, war keine solche, dass begabte und strebsame junge Leute dadurch hätten angeregt werden können, sich dem körperlichen Schaffen der produktiven Tätigkeit, zuzuwenden. Der Handwerker bildete in den verflossenen Jahrzehnten eine Figur, auf die die anderen die besser Situierten, mit Geringschätzung herabblickten. Es gelang daher nur in verhältnismässig geringem Umfang, geeignete junge Leute diesen Berufen zuzuführen. (Wir sprechen hierbei natürlich immer nur von Deutschland.) Das ging so bis Ende der 80er Jahre. Da traten zwei Männer auf, die der ganzen Bewegung einen starken Stoss nach vorn gaben. Der eine war der rühmlichst bekannte Justizrat MarkoweT, der infolge der Judenverfolgungen der 80er Jahre eine Anzahl elternlos gewordener osteuropäischer Jünglinge nach Berlin holte, für sie

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