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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 2 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
2 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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6 immer wieder in Perioden drohenden Untergangs sich bilden lässt,, die Regeneration hervorging, die eine Erhaltung der jüdischen Rasse sicher zu stellen vermochte. Was die jüdische Jugendbewegung zur Erstarkung des jüdischen Volkes in Deutschland durch ihre neuen Leoensformen geleistet hat, spricht sich am überzeugendsten in den Tatsachen |der körperlichen Ertüchtigung, durch die Wandergewohnheiten und das stark gepflogene Turnerleben, in der Befreiung von der rein intellektuellen Lebenseinstellung durch die enge Berührung mit der wieder erkannten und lieb gewonnenen Natur, in der Berufsumschichtung durch die Erfassung der in der Bebauung des Landes) oder der im Handwerk wurzelnden Arbeiten aus. Ganz eng damit verwachsen war eine (Vereinfachung der Lebensformen, die dem konzentrierteren Inhalt dem ihm gemässeren Rahmen fand, und eine Veredelung des Gemütslebens mit einer stärkeren Betonung der ideellen Lebenswerte. Die Umstellung ging nicht auf einfachem Wege vor sich, bei; einem Menschenkreis, der nach eigentümlichen Schicksalen plötzlich die Grenzen seines Erlebens ins unendliche erweitert sah, und, indem er sich in die neuen Lebensfluten stürzte, ohne Rücksicht auf die Wirkungen, alles von sich abtat, was ihm bis dahin Schutz und Lebensluft bot. Was die Einwirkung westeuropäischer Kultur in einer übereilten Entwicklung, an einem durch unendlich schwere Schicksale geschwächten Volkskörper an Zerstörung vorhandener Lebenswerte und Vernichtung sich entwickelnder Keime zu vollbringen vermochte, haben die letzten Jahrzehnte in der Entwicklung der Juden in Deutschland gezeigt, und selbst die stärkste Eugenik vermag nur kommendes zu verhüten, nicht, die eingetretenen Verluste wieder zu ersetzen. Erkenntnis legt Verantwortung auf. Bei der grossen jüdischen Völkerwanderung, die durch die politischen Ereignisse der letzten Jahre bedingt, einen breiten Strom heimatloser Juden erneut planlos von Osten nach Westen irren und fürs erste in Deutschland festen Fuss fassen lässt, wird die Judenschaft in Deutschland, und besonders die jüdische Jugend sich der Verantwortung bewusst werden müssen, dass sie die Erfahrungen in der Entwicklung der deutschen Juden verwerten muss, und die Methoden in der Bekämpfung Ider Dekadenz, die sie sich in schwerem Ringen um die Erhaltung der Rasse zu eigen gemacht hat, der jetzt von Osten her einwandernden jüdischen Bevölkerung, für die in Westeuropa ähnliche Entwicklungsbedingungen vorliegen, wie für die deutschen Juden nach der! Emanzipation, anwenden muss. Wenn die jüdischen Jugendorganisationen sich dem Kampfe um die Erhaltung ihrer Ostbrüder zur Verfügung stellen wollen, so wird ihre Arbeit sich vor allem auf die ostjüdische Jugend) einstellen müssen. Die Einwirkungen der letzten fünf Jahre, die wohl bei keinem der beteiligten Volksstämme so vernichtend gewesen sind wie bei den Ostjuden. Bei ihnen haben ausser den direkten Folgen des Krieges, wie Einberufung zum Heere mit Krankheit, Verstümmelung oder Tod und der Verheerung der im Rahmen des Kriegsschauplatzes liegen-

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