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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 1 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
1 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 anerzogen, der besonders befremdend sowohl auf den östlichen wie , ,den Westiuden wirken muss. So gibt es in dieser immerhin doch grossen Stadt nicht ein einziges gutes Theater, dagegen wimmelt es von Kinos und Varietes minderster Sorte. Diese kurze Schilderung der Salonikier Verhältnisse war notig, lim ein richtiges Bild von der Bedeutung zu gewinnen die das Vorhandensein des „Maccabi" für die Judenschaft von Saloniki bedeutet. Die Tatsache, dass sich hier eine zunächst kleine Schar jüdischer junger Leute und junger Mädchen unter der Führung eines begeisterten bulgarischen Zionisten und Turners, S. Pardo, zusammenfand, bedeutet den ersten Versuch einer bewussten Abkehr von Materialismus und Assimilation, zu einem geistigeren Leben und zu nationaljudischer Erneuerung. Wenn man bedenkt, dass diese jungen „Maccabim" zum grossen Teil aus den Schulen der Alliance hervorgegangen waren, die ihren Zöglingen neben der glänzendsten Ausbildung in allen möglichen Disziplinen auch eine zielbewusste und überaus geschickte Erziehung zum europäischen Weltbürgertum angedeihen liessen, so wird man begreifen, dass dieser kleine Kern wirk-. lieh die Besten enthielt, die unter der Jugend Salonikis heranwuchsen. Vom ersten Tage seines Bestehens an war es flem Salonikier Maccabi klar, dass seine Arbeit nicht nun in der körperlichen Ertüchtigung seiner Mitglieder sich erschöpfen dürfe (die sie, nebenbei gesagt, bedeutend weniger notig hatten, als ihre europäischen Turnbrüder), sondern dass es seine Aufgabe sein musste, ein nationaljüdisches Zentrum zu bilden, um das sich alles andere sammeln konnte, was für den judischen Volksgedanken zu gewinnen war. Und so begann der Maccabi nicht nur mit Turnabenden und Turnausflügen, sondern er machte sich von vornherein jedes Mittel nutzbar, das in Saloniki mit besonderer Vorliebe von allen Seiten zur geistigen Beeinflussung benutzt wird: die „Conferences". Die „Conferences" sind Vorträge, die die Salonikier Vereine am Sonntagvormittag veranstalten, und die sich fast immer eines ausserordentlichen Zuspruches erfreuen. Dem „Maccabi" stellten sich selbstverständlich zu seinen Vorträgen diejenigen zur Verfügung, die gleich ihm nationale Aufgaben zu erfüllen suchten. Die erste „Conference" des Maccabi, die ich mitmachte, wird mir unvergesslich bleiben. Der grosse Versammlungsraum der Loge von Saloniki war bis auf den letzten Platz gefüllt,, und vor diesem überaus zahlreichen Auditorium, in das alle Schichten der jüdische« Bevölkerung Salonikis ihre Vertreter entsandt hatten, sprach der bekannte palästinensische Pädagoge, Dr. Jitzchak Epstein, der damals die grosse Salonikier Talmud-Tora leitete, über ein erzieherisches Thema. Und damals schon konnte man aus dem Verlauf der Dis* kussion und aus dem Eindruck, den die Versammlung machte, entnehmen, dass für den Maccabi die Zeit grösster Wirksamkeit gekommen war. "Eine lange Reihe von überaus schweren und bitteren Jahr<*> unterbrach die Tätigkeit des „Maccabi" und brachte die jüdische Stae* an den Abgrund. Im letzten Balkankriege wechselte sie den Besitzer-

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