Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 12 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 „Unsere Bewegung muss vielgestaltig sein, wie das Leben. Keiner wird missbilligen, dass wir Bünde von Studenten, Kaufleuten, von Turnern und Wanderern haben. Die nationaljüdische Jugend aber muss e i n i <r sein. Doch unsere Bunde stehen sich innerlich fremd gegenüber; mancher lehnt den anderen ab und mancher glaubt, allein die wahre Form der Gemeinschaft gefunden zu natien. ■ Mit Entrüstung müssen wir die Behauptung zurückweisen, dass man sich ausserhalb des Blau-Weiss mit Erstreben eines möglichst grossen zionistischen Wissens, mit Ausbildung zu der Propagandatätigkeit begnüge dass nur bei den Blau-Weissen in Bezug auf menschliche Erneuerung etwas geschehe. -Niemenci wird verkennen dürfen, dass gerade der „Blau-Weiss" seine Menschen ganz erfasst. Das Leben vieler, die mit ihrem Nationalismus Emst gemacht, sich auf dem (Lande für Palästina verbreiten, ist eine Tat. Aber wir hohen, dass der „Mensehheitsbeglückungswahn"*) nicht auch in unseren . eJw^,chule £emacht hat. Der Mangel an Verständnis für dieses Wesen und Wollen mancher Blau-Weissen ist nur zu verständlich. Wir aber wollen erkennen, dass wir über die Einzel-Bünde hinaus zusammenwachsen müssen zur „Gemeinschaft der neuen Jugend". W'r wollen den Weg bahnen für eine einheitliche jüdische Jugendbewegung Und wer hierzu nicht willig ist, der hat den Begriff des jüdischen Volkes nicht völlig erfasst. (Siehe auch Nathan Kaminskis Aufsatz im November-Heft. Die Red.) Soll es so weiter gehen, dass jede Woche ein neues „Problem" mit einem Schwulst von Worten zur Diskussion gestellt wird? Soll es so weiter gehen, dass jedes Grüppehen glaubt, in ihrer Mitte die einzig wahre „Gemeinschaft" entdeckt zu haben? Soll es weiter vorkommen, dass selbst in kleinen Städten fuhrende Leute von anderen weiter nichts wissen, als dass sie ohne Hut herumlaufen und „Schalom" sagen? Soll es wieder vorkommen, dass ein Führer über Menschen anderer Gemeinschaften ein auf Unkenntnis fussendes, verallgemeinerndes Urteil fällt? Nein! und abermals ein! Es nützt uns auch nichts, wenn wir einen „jugendausschuss" haben, aer gemeinsame Vorträge und Sportfeste arrangiert. Mit diesen veräusserlichenden Arbeitsweisen kommen wir nicht weiter, denn die Menschen sind sich innerlich gleich fremd geblieben. Es darf auch niemand mehr «•lauben von „höherer Warte aus Richtung angeben zu können". Ich denke mir unsere Aufgabe in kleinen und mittleren Städten nach folgenden Richtlinien — die kein Programm geben wollen — durchgeführt. Fuhrende Leute aller Bünde kommen zu Führersitzungen zusammen. Sie sprechen sich aus und kommen sich menschlich näher. Jeder wird den Geist dieser Zusammenkunft auf die Menschen seiner Gemeinschaft übertragen, die bald den Wunsch haben werden, die wertvollen „anderen" kennen zu lernen. So wird gegenseitiges Verständnis für Wesen und Wollen erwachsen. Die Führer sollen auch einmal in anderen Bünden wandern, Heimabende besuchen und von ihren Eindrücken ihren Menschen berichten. In grösseren Städten werden sich äussere Schwierigkeiten einstellen. Hier gehen 2 und "2 Bünde zusammen. Geineinsame Kurse und Vorträge bringen uns nie näher! De'' „Bund der Führer" sei der erste Schritt hierzu. Unsere ungeheure Aufgabe am Volke, unsere stärkste Arbeit an uns serbst sei so eingestellt. Es darf aber nicht genügen, wenn jemand uns „verständnisvoll"- gege'1' übersteht. Es kann auch nicht genügen, wenn jemand durch blosses Reden von „Gemeinschaft" etwas zu leisten glaubt.; Von niemand fordern wir ein Aufgeben seiner besonderen Art. Jej?e Organisation — insbesondere die Turnerschaft — trachte danach, die Menschen ganz zu erfassen. Aber wir wollen dafür einstehen, dass neben dem „Blau-Weiss-Geist", dem „K. J. V."- und „H. C.-Geist" ein heiliger» einender Geist der neuen jüdischen Jugend erwachse. Wer von diesem Oedanken erfüllt ist, verzichte auf Diskussionen und Klagen üb*1- *) Siehe den so betitelten Aufsatz von Dr. Gustaf Krojanker ij" letzten Heft des „Jüdischen Willen", eine Zeitschrift, die bei dieser Gelegenheit unsern Lesern wärmstens empfohlen sei. Die Red.