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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 2 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Für unsere Jugend aber, die unter den geschilderten unnormalen Verhältnissen aufwächst, als jüdische Jugend unter deutschen Erziehungseinflüssen, für sie genügt die Weckung des nationalen Bewußtseins nicht; sondern unser Streben muß darauf gerichtet sein, sie jüdisch zu erziehen, so daß sie jüdisch oder wenigstens jüdischer wird. Nun wissen wir wohl: Wir können das Galuth nicht im Oaluth überwinden, wir können die Einflüsse des unjüdischen Milieus nicht völlig auaschalten; aber wir können ihnen entgegenwirken. Es sei hier zunächst daran erinnert, daß in den jüdischen Zentren des Ostens die meisten jüdischen Kinder bisher nicht etwa eine russische oder polnische, sondern eine jüdische Erziehung erhielten; allerdings ist dort auch das Milieu jüdisch. Unsere Aufgabe ist es also, : inmitten der unjüdischen Wüste des Galuth jüdische Oasen zu schaffen, und diese jüdischen Oasen glauben wir schaffen zu können in den engen Gemeinschaften unserer Jugendorganisationen, »peziell der Turnvereine. J Sie bilden den Boden, auf dessen Grund die jüdische Erziehung einsetzen kann. Und worin besteht nun die jüdische Erziehung? Eins sei vorweg bemerkt: es wäre für die Frage der jüdischen Erziehung unfruchtbar, wenn wir versuchen wollten, das Jüdische in irgend e/ner seelichen Funktion oder in einer bestimmten Idee festzulegen. Wollen wir unsere Jugend jüdisch erziehen, so ist es vor allem nötig, ihr jüdische Stoffe zuzuführen, sie den jüdischen Tatsachen näher zu bringen Wir müssen unsere Jugend so früh wie möglich mit jüdischen Dingen erfüllen. Intensive Pflege der hebräischen Sprache, lebendige Erfassung der jüdischen-Geschichte, das sind die Grundlagen jeder jüdischen Erziehung. Und zwar widmen wir uns der hebräischen Sprache nicht nur, weil es die Sprache unserer Freiheit und Größe sein wird, sondern ganz einfach deshalb, weil es unsere Sprache ist. Wir lesen die jüdische und hebräische Literatur nicht nur, soweit sie der deutschen oder russischen gleichwertig ist, sondern wir lesen sie, eben weil es unsere Literatur ist . Dazu kommt die Feier jüdischer Feste, die Beobachtung jüdischer Bräuche, kurz die Anknüpfung an die jüd ische Tradition. Wir wissen, daß das nicht jedem ohne weiteres möglich ist und wollen nicht .etwa der Heuchelei oder auch nur der gedankenlosen Beobachtung von Formen, die dem Einzelnen nichts bedeuten, das Wort reden. Aber manch alter jüdischer Brauch kann von uns zu neuem Leben erweckt werden; wir müssen uns nur J/ebevoll seiner annehmen; und was der Einzelne nicht vermag, das gelingt vielleicht der Gemeinschaft. Unsere Turnvereine können z. B. für alle die Mitglieder, die keinen Familienanschluß haben, regelmäßig Freitag-Abende veranstalten, an denen zunächst gemeinsam gegessen und dann aus jüdischen Schriften, am besten der Bibel, vorgelesen wird. In gleicher Weise können die Seder- und Chartukahabende begangen werden. Nur auf diese Weise können wir dahin kommen, daß unsere Jugend wieder von jüdischen Vorstellungen erfüllt wird, daßzu dem jüdischen Bewußtsein das jüdische Sein kommt, indem hebräische Sprache, Jüdische Geschichte, jüdische Formen bei uns gepflegt werden. (L>as Sonnenwendfeuer wird nie zu einer jüdischen Form werden, es wirkt nicht Jüdisch-erzieherisch.) In diesem Sinne halten wir eine jüdische Erziehung im Oaluth für nötig und auch für möglich. Wir lehnen also die Anfchauungen, die in gewissen Blau-Weiß Kreisen vertreten wurden,

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