Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 3 (Mai/Juni 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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102 No. 3 Das Schauturnen war gut besucht und erfreute sich weiten Interesses der jüdischen wie auch der nichtjüdischen Oeffentlichkeit; wir können es als einen Erfolg betrachten, der uns zu weiteren Arbeiten anspornt. Ein zwangloses Beisammensein vereinte am Abend die Mitglieder, die trotz der anstrengenden Turnübungen im Tanzen nur eine Erholung sahen und dem Vorstande lebhafte Vorwürfe wegen des frühen Schlusses um 1 Uhr machten. — Der jüdische Turnverein Bar Kochba beteiligte sich in diesem Jahre zum ersten Male an dem Stafettenlaufen rund um die Alster. Es gelang ihm, obwohl beim Start sein Mann durch Verlieren der Stafette stark an Terrain verlor, unter 45 laufenden Mannschaften den 28. Platz zu belegen. Von 12 Mannschaften seiner Klasse kam der Bar Kochba als 5. ans Ziel. Saloniki. Die jüdische Turnbewegung faßte hier Fuß anläßlich einer Wanderfahrt des Jüdischen Turnvereins „Maccabi“ aus Philippopel nach Saloniki. Seine turnerischen Darbietungen fanden bei der zahlreichen jüdischen Bevölkerung derart Anklang, daß sofort — im Jahre 5669 — hier ein J ü - discher T urnverein Maccabi gegründet wurde, der anfangs ca. Mitglieder zählte. In Ermangelung eines jüdischen Turnlehrers mußte matt einen Italiener zur Leitung des Turnens engagieren. Während der Verein anfangs florierte, traten infolge innerer und äußerer Schwierigkeiten bald derartige Hindernisse ein, daß der Maccabi schon nach vier Monaten seinef Existenz wieder aufgelöst werden mußte. Aber die Begeisterung für die jüdische Turnbewegung konnte nicht erlöschen. Und so entstand kurze Zeit darauf — noch im Jahre 5669 — trotz aller Anfeindungen und Schwierigkeiten ein neuer Jüdischer Turnverein „Maccabi“, der sich bis heute erhalten und entwickelt hat. In dem Kampf® gegen Qieichgültigkeit einerseits und Assimilation andererseits (speziell def „Club des Intibies“ bekämpfte den Maccabi aufs heftigste!) erstarkte der junge Verein und fesselte seine Mitglieder an die jüdischnationale Turttbewegung. Die Erstarkung des Vereins fand auch Ausdruck in seine1*1 schnellen Anwachsen, so daß er 1912 bereits 120 und 1913 über 250 Mitglieder zählte, außer den Knaben- und Mädchenabteilungen. Endlich gelang es, dem Verein auch in Herrn Aaron Pardo (aus Bulgarien) einen vortrefflichen jüdischen Turnleiter zu erwerben. Herr Pardo verstand es nicht nur, den Maccabi in turnerischer Beziehung außerordentlich zu fördern, sondern widmete sich auch mit großem Erfolg der jüdisch-nationalen Erziehung unserer Mitglieder. Er erzog den Verein in zielbewußter Art für seine jüdisch®11 Tendenzen, die sich jetzt durch die Einführung des hebräischen Kommandos am deutlichsten nach außen hin kundgeben. Der Maccabi turnt jetzt in drei Abteilungen: Eine Männer-Abteilung (über 17 Jahre), eine Knaben-Abteilung (12 bis 17 Jahre), eine Kinder- Abteilung (9 bis 12 Jahre). Außer dem schwedischen Turnen widmen *!c" besondere Abteilungen allen Disziplinen des Sportes (Fußball, BoX®8> Springen etc.). j Der Maccabi umfaßt aktive, passive und Ehrenmitglieder und w» geleitet von einem Ausschuß, der aus elf Herren besteht. . Dank seiner Entwicklung fing der Maccabi auch allmählich an, mj öffentlichen jüdischen Leben eine wichtige Rolle zu spielen und hatte währefl der politischen Entwicklung der Türkei im Jahre 1912 und 1913 wlede1”*<V Gelegenheit mit seinen Tendenzen an die Oeffentlichkeit zu treten. seiner intensiven nationalen Arbeit fand der JViaccabi immer mehr Freutv und Anhänger, so daß er heute schon die stattliche Zahl von 530 aktiven Mi’j gliedern hat (250 aktive Männer, 150 aktive Damen, 130 Kinder, zu deh_ noch 150 Kinder von ca. 8 Jahren kommen). In der letzten Zeit erhielt fl _ Maccabi dadurch einen beträchtlichen Zuwachs, daß der Club „Jeuness