Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 6 (August/September 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492379-5965024-5965360--204-4922390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 6 171 Laßt der Ahnen Mut in euch erglüh’n, Lernet für das Recht die Waffen zieh'n! Harret aus Im Sturmgebraus. Dr. Richard Blum. ^Eigentum des Jüdischen Turnvereins „Bar Kochba“ in Berlin.) Melodie: „0 Deutschland hoch in Ehren.“ 1903-1913. Zehn Jahre! Eine kurze Spanne Zeit im Bereiche des Weltgeschehens. Und doch genügt ein Dezennium, um den historischen Wert °der Unwert einer jungen Bewegung zu zeigen. Und so wollen wir, fern von der Jubiläumssucht unseres selbstzufriedenen Jahrhunderts, unserer jugendlich rastlosen Tätigkeit einen Feiertag setzen. Um rückschauend auf das Erreichte, die Aussichten unserer Zukunft zu wägen. Gelegentlich des VI. Zionistenkongresses traten im Jahre 1903 zu Basel die Vertreter weniger jüdischer Turnvereine zusammen und gründeten die Jüdische Turnerschaft. Jüdische Turnerschaft! Gar seltsam klang der Welt die Verbindung der Begriffe „Jude“ und „Turner“. Man war zu.sehr an die Vorstellung des grübelnden, schmächtigen Judeniungen hinter talmudischen und philosophischen Folianten gewöhnt, um sich den lebensfrohen, starken jungen Juden bei Sport und Spiel vorstellen zu können. Die nichtjüdische Mitwelt negierte, unsere „Glaubensgenossen“ bespöttelten ironisch überlegen — sich selbst. Unbekümmert um Spott und Verachtung ging die Turnerschaft ihren Weg. Fast unbemerkt und abseits der schreienden Oeffentlichkeit. Nur die Berichte der „Jüdischen Turnzeitung“, gelegentliche Schauturnen und Sportfeste zeigten denen, die hören und sehen wollten, daß hier in stiller Kleinarbeit wertvolle Zukunftsarbeit geschah. Immer zahlreicher wurden die Vereine, die in ihren Turnern dem jüdischen Volke eine starke, aufrechte Jugend erzogen. Je größer die Erfolge der Turnerschaft wurden, je mehr sie sich zum Sammelpunkt der Jüdischen Jugend entwickelte und sie zum freien Bekennen ihres Judentumes erzog, desto weniger wollte das „offizielle“ Judentum von ihr hören und sehen. Der anfängliche Spott wandelte sich in Furcht. Die assimilatorischen Ghettojuden des zwanzigsten Jahrhunderts sahen sich plötzlich in ' m r ^ec*lnun* getäuscht. Man hatte die schönsten Theorien von einer “Mission“ der Judenheit, unter den Völkern der Erde zu verschwinden, man natte sich dem Kosmopolitismus, Monismus, Liberalismus und wem sonst n°ch immer verschrieben. Hatte die Juden in vornehme „Israeliten“, in Internationale „mosaischer Konfession“ gewandelt, man hatte Geld und Ehre, Piej»t und Manneswtirde restlos geopfert der ersehnten Assimilation zu Liebe. und nun erstand eine Jugend, die so unpolitisch war, sich als jüdisch zu bezeichnen, so unpraktisch, sich für jüdische Ideale zu begeistern, so rücksichts- °s, die Assimilation zu bekämpfen. Zwei Generationen standen sich plötz- ■ch verständnislos gegenüber1. Der scheue, „zweckbedachte“ A s s i m i - utionsjude von gestern, — der aufrechte, begeisterte Nationaljude pn heute. Wir wollen heute nicht jener unschönen Mittelchen gedenken, •e man zu unserer Unterdrückung versuchte. Trotz aller Anfeindungen uchs die Jüdische Turnerschaft von Jahr zu Jahr und dank der Anfeindunnh ers,arlste sie im Kampfe für ihre Ideale. Die Notwendigkeit unserer **PhysiSc|,en Regeneration“, die einst der Ausgangspunkt unseres