Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3üdifdie Illonafshefte für Curnen und Sport Organ der jüdtrchnationalen Jugendbewegung ßerausgegeben pon der „3fldifdien Uumerrdiaft" ^V-Jahrg, Bett 2 Berlin W. t l^stelbtreustr. 25 _Illflrz 1915 Nachdruck der nachfolgenden OriglnalaufsStze All» Sandlingen 1B die Z*nt(ll*l bur mit genauer Quellenangabe gestattet. Fernspr.: Steinplatz 8381. Unser Erster Deutscher Kreisturntag. Vom 22.—24. März dieses Jahres tagt zu Berlin der Erste Deutsche Kfeisturntag der Jüdischen Turnerschaft. Während unsere Kreisturntage in Wien, Lemberg und die Tagung unserer palästinensischen Organisationen roehr propagandistischer und organisatorischer Natur waren, hat der Erste Deutsche Kreisturntag eine höhere, fast historische Bedeutung. Er markiert einen Wendepunkt in der Entwickelung der jüdischen Jugend Deutschlands. Infolge der Interesselosigkeit, die weiteste Kreise der deutschen Judenheit allen ernsten jüdischen Fragen entgegenbringen, infolge des relativen Wohlstandes der deutschen Juden erwuchs auch in der jüdischen •ingend Deutschlands eine philisterhafte Gleichgiltigkeit gegen ihre eigensten Probleme. Heute, da die Judenheit vor der geschichtlichen Alternative steht, entweder auf den Wegen der Assimilation verschwinden zu wollen tob sie es k a n n , ist zweite Sache!) oder durch das Erwecken des jüdischen Nationalismus zu neuer Lebensfähigkeit zu erstarken, in dieser historisch 80 bedeutungsvollen Zeit konnte man in Deutschland einen Verband neutraler jüdischer Jugendvereine gründen. So temperamentlos, so ideallos und philisterhaft war unsere Jugend geworden, daß sie dem entscheiden- <*en Entwicklungskampfe unseres Volkes mit kalter, ach so unendlich „gerechter“ Objektivität zuschauen konnte. Aber unsere Jugend hat sich auf sich selbst besonnen. Der V. Jüdische Turntag, der vor fast einem Jahre ebenfalls in Berlin tagte, gab den äußeren Anlaß. Als die nationaljüdische Jugend aller Länder hier zusammenkam, um die Solidarität der gesamten jüdischen Jugend im Kampfe ftir die nationale Renaissance unseres Volkes zu bekunden, da erwachte fUch in Deutschlands jungen Juden die Erkenntnis, daß Jungsein Pflichten lr| sich birgt. Daß die jüdische Jugend dem Entweder—Oder der Judenheit jNcht tatenlos gegenüberstehen darf, sondern in dem Einsetzen ihrer besten J-Sbensjahre für unsere nationale Entwickelung erst den Wert und den Inhalt ihrer Jugend finden kann. Und so reifte unsere jüdischnationale Jugendbewegung aus schwachen Anfängen schnell zu einem bedeutungsvollen Faktor im jüdischen Leben Deutschlands. Zwar so, daß jetzt der Deutsche Kreisturntag die Zusammenfassung aller jüdischnationalen Jugendvereine vorbereiten kann, um auch organisatorisch zu einen, was organisch zusammengehört.