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Jüdische Turnzeitung · 1912-11-01 · 11/12 (11.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
11/12 (11.1912)
Date
1912-11-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 11-12 215 Betrachtung des Gallith muß auf die Assimilation hinauslaufen. Denn diese ist nur das Produkt aus jenem. Und hier zeigt sich die seltsame, fast paradox klingende Tatsache: Die zentrale Stellung der Religion im Qaluth hat die Assimilation nicht — wie es scheinen müßte — erschwert, sondern erleichtert, ja ermöglicht. Gerade weil durch den alles beherrschenden Einfluß der Religion das Ghettojudentum zu einem so geschlossenen, einheitlichen Bau geworden war, konnte und mußte es so leicht und plötzlich einstürzen. Es gab keine Differenzierung, keine Mannigfaltigkeit. Alles war in dem Einen, im Religiösen konzentriert. Fiel dieses, so mußte alles stürzen; und als durch den destruktiven heranstürmenden Einfluß der Aufklärung das Gebäude der Religion zu wanken begann, da wankte das Judentum im ganzen; und als das Religiöse fiel, brach der ganze Bau in sich zusammen. Ein normaler Mensch kann seine religiösen Vorstellungen ändern, ja sich ihrer entäußern und dennoch die Eigenart seines Wesens beibehalten, weil bei ihm die Religion wohl etwas Wesentliches, aber nicht alles ist. Der Galuthlude vermochte das nicht. Die Religion war das Band, das all sein Inneres zusammenhielt. Als es gelöst wurde, da fiel das Ganze auseinander. Was das Galuthjudentum in seiner Abgeschiedenheit im Ghetto so groß und imposant gemacht, ward ihm nun im Kontakt mit der Außenwelt zum Fluch. Seine Geschlossenheit wurde sein Verderben. So steht das Galuthjudentum vor' unseren Blicken, ganz beherrscht v°n der Religion, von ihr zu einer imposanten Einheit gebildet. Es gleicht der Stätte, in der es seine vollste Entwicklung gefunden hat, dem Ghetto. Abgesondert wie das Qhetto, von Mauern umgeben, eine abgeschiedene Einheit inmitten einer iremden Umgebung. Und unser Verhältnis zum Galuthjudentum ist wie unser Verhältnis zum Ghetto. Es imponiert uns, wir bewundern es in seiner Konsequenz, aber es ist uns fremd; in ihm leben können wir nicht mehr, die Luft ist zu dumpf und zu schwül; wir müßten eisticken in seiner Enge. Das Galuthjudentum ist eine Tragödie und die Assimilation bildet sein tragisches Moment. Tragödien aber sind versittlichende Kräfte. Man soll sie erleben, überwinden und durch die Ueberwindung sittlicher und reineT werden. Für uns moderne Juden gibt es keine zwingendere Notwendigkeit, als die Tragödie des Galuthjudentums zu erfassen, zu erleben und zu überwinden. Berichte. Halberstadt. J. T. V. Am Mittwoch, den 4. ds. veranstaltete der J. T. V. Halberstadt wiederum ein Preis-Wetturnen, an dem etwa 3U Turner in drei Riegen teilnahmen. Wir hatten neben anderen passiven Mitgliedern und Gästen auch einige Vertreter der städtischen Behörden eingeladen, und zu unserer Freude wurde der Einladung Folge gegeben. Das Turnen bestand in gemeinsamen Stabübungen, vom 1. Turnwart geleitet, und Turnen in drei Riegen an Reck, Barren und Pferd. Die Leistungen waren durchaus zufriedenstellend und die Disziplin Heß nichts zu wünschen übrig. Es wurde denn auch den Turnern für ihre Leistungen allseitig Anerkennung gezollt und mit besonderer Freude sprach sich der Vertreter der städtischen Behörde

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