Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 13 (1912)
- Issue
- 7/8 (7.1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4921092-5965022-5965345--3376-4922133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 No. 7-8 Zug bildet sich. Voran die vorzügliche Musik, die die anregendsten Märsche hören läßt; hinterdrein unsere Fahneträger und zu deren Seite die Trommler und Trompeter. Die in Kaki-Uniformen eröffnen den Aufmarsch; es folgen die Mädchen-Abteilungen in ihren Turnuniformen mit ihren zierlichen Strohhüten, die von mit hebräischen Aufschriften bedruckten Bändern umrahmt sind. Den Zug schließen die Turner in Turnuniform, weiß mit dem roten Gurt und dem blauen Magen-David mit der Inschrift „Maccabi" auf der Brust. So geht es unter tosendem Applaus der Menge durch die Straßen bis zur Einschiffungsbrücke von Haidar-Pascha. Die Fenster der Häuser sind dicht besetzt und von überall schallen Schalom-Rufe und viva la Maccabi entgegen. Ein schwarzes Menschenmeer erwartet uns in Haidar-Pascha, dem Wohnsitze unseres Todfeindes „David Fresco"; unter Tücherschwenken und Händeklatschen bildet sich der Zug von neuem und nun geht es stramm dem Turnplatze zu durch das ganze Viertel von Haidar-Pascha und Haskeuy. Auf dem Turnplatze füllen bereits über 1200 Zuschauer die Tribünen. Unbeschreiblich ist der Enthusiasmus, der auf dem Platze herrscht und unaufhörlich das Händeklatschen beim Aufmarsch unserer jüdischen Legionen. Die Kommissare laufen geschäftig um und halten eine musterhafte Ordnung; alles wartet gespannt. Das Programm eröffnet mit Freiübungen der Kinder-Abteilungen, es folgen dann die tadellosen Fahnenübungen der Mädchen, sowie die Stabübungen der Herren, die mit einer seltenen Exaktheit zur Aufführung kommen. Das Wetturnen begegnet dem größten Interesse aller. Wir hatten ein Wettturnen der Herren und eines der Jugendabteilung. Die Leistungen waren zufriedenstellend. — Preise erhielten in der Männerriege zwei aus der Pera- Abteilung und einen Preis Balat. Aus der Jugendriege wieder zwei aus Pera und einer aus Haskeuy. Mac. Jüdisches Sportfest in Wien. Das erste „Jüdische Sportfest", veranstaltet vom jüdischen Sportklub „Hakoah" mit der bereitwilligsten Unterstützung unserer Wiener jüdischen Turnvereine, fand am Donnerstag, den 16. Juni, statt Der erste Versuch der jüdischen Sportvereine, ein gewagter Versuch, aber auf allen Linien von Erfolg gekrönt. Wir hatten bisher keine Orundleistungen (d. h. Zeiten und Maße) für ein leichtathlettsches Meeting. Und gleich das erste zeigte Leistungen, die nur nach eifrigem und forziertem Training überboten werden können, reichen doch die gezeigten fast durchwegs an jene am selben Tage beim Auswahlmeeting für die olympischen Spiele erzielten heran, ja manche übertreffen sie sogar. Dort alte erprobte Kämpen, bei uns durchwegs Junioren. Kurz, die Qrundlage für die jüdische Leichtathletik ist geschaffen und nun heißt es vorwärts! Der Besuch war trotz des drohenden Unwetters ein glänzender. Nur eine Kategorie Besucher, die man sonst bei solchen Veranstaltungen findet, fehlt fast ganz bei uns. Es sind dies die Mittelschüler. Es soll hier nicht Uber die Bedeutung des Sportes für die Jungmannschaft gesprochen werden, aber eine Behauptung wird wohl von niemand bestritten werden: viel zuträglicher für unsere gute Sache wird es sein, wenn unsere Mittelschüler vor allem anderen jüdischen Sport pflegen und an den Mittelschulen sich zu Muskeljuden heranbilden werden. Daher Ihr Jungen, vermehrt unsere Reihen, bildet unseren Nachwuchs, und der jüdische Sport muß gedeihen! Die Veranstaltung war für den ersten Versuch mustergültig, die sportliche Leitung in den Händen eines Komitees, an dessen Spitze der bewährte Turnleiter des I. W. J. T. V. Herr Popper, ganz hervorragend. Nun zu den einzelnen Konkurrenzen: