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Jüdische Turnzeitung · 1912-07-01 · 7/8 (7.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
7/8 (7.1912)
Date
1912-07-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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140 No. 7-8 Wanderstab, mit leichtem Herzen und leichtem Gepäck werden wir Palästina durchwandern. Als Turner, nicht als Philister. Turnbrüder! Die Palästinafahrt wird eine Tat bedeuten. Für jeden einzelnen ein seltenes Erlebnis. Wir wollen uns auf sechs Wochen herausreißen aus dem öden Einerlei des grauen Alltags, wir wollen dem Philisterium des materiellen Berufslebens eine kurze Spanne Zeit der Größe und Schönheit abtrotzen. Nationaljudentum, Trotzjudentum, Selbstbewußtsein — allen Programmen. Definitionen. Schlagwörtern wollen wir entfliehen, um unser Judesein einmal ganz und gar zu erleben. In innerer und äußerer Freiheit wollen wir es erleben als etwas absolut Gegebenes und Selbstverständliches, das man nicht erst logisch beweist und formuliert. Und im freien Erleben unseres Judentumes liegt der höchste Wert für jeden von uns, der sich an der Palästinafahrt beteiligt. Und wenn wir dann in unsere Wohnländer zurückkehren, dann wird uns die Erinnerung an Palästina hinweghelfen über die hundertfachen Häßlichkeiten, die uns als Juden begegnen. Dann werden wir lächeln über jene Halben, die sich mühen, ihr Judentum zu definieren, über die Kleinen, die es verleugnen. Wir werden ihnen sagen: „Geht nach Palästina, ins Land der Juden, und Ihr werdet wissen, was Ihr seid. Denn wer es nicht empfindet, der wird es nie begreifen." Turnbrüder! Sicherlich wird die Palästinafahrt der jüdischen Jugend später eine ständige Einrichtung werden. Wir jüdischen Turner wollen die Ersten sein. Und darum ist die Fahrt eine historische Tat, um die.uns die Zukunft beneiden wird. Und wer noch Jugend besitzt, eine Tat zu leisten, wer Schwungkraft hat, etwas Großes und Schönes ernsthaft zu wollen, wer frei genug ist. das Philisterium zu besiegen, der geht im April mit uns nach Palästina. Nur den Entschluß verlangen wir von Euch. Die Geldfrage wird niemanden zu hindern brauchen. Jeder kann in acht Monaten ein Ersparnis zurücklegen. Geht im kommenden Winter weniger ins Cafe\ Theater etc. Außerdem haben wir einen Fonds begründet, zu dem schon namhafte Zeichnungen vorliegen, aus dem jedem, der es beansprucht, ein zinsfreies Darlehen unter den bequemsten Rtickzahlungsbedingungen gewährt werden kann. Turnbrüder! Ihr seht, wir haben Euch die Grundlagen zu unserer Palästinafahrt geschaffen und werden Euch später nähere Details bericMen. Nicht übermäßig viele werden sich bef uns zur Teilnahme melden. Aber es werden unsere Besten sein. Und die Zukunft wird sie mit Recht beneiden. Henry Unna. Vom Äusschuss. Protokolle. 1. Ausschuß-Sitzung vom 6. Juni 1912. Beginn: 9V4 Uhr. Anwesend: Greifenhagen, Unna, Bialier, Doernberg. Nach Verlesung und Erledigung zahlreicher Eingänge wird aus einer großen Zahl von Bewerberinnen Fräulein Gertrud Hanse als Sekretärin der Jüdischen Turnerschaft engagiert.

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