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Jüdische Turnzeitung · 1912-06-01 · 6 (6.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
6 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 6 III Das, was Sie hier im Turnen, Sport und Spiel sehen, soll in Ihnen neue Lust zur Arbeit entfachen. Es soll aber auch das eigentlich Wertvolle zeigen: das Wachsen und Erstarken der Persönlichkeit eines jeden, der treu und ganz der unsere ist. Vorsitzender: Das Wort hat unser Schatzmeister, Herr Felix Hei 1 brunn, zum Kassenbericht. Herr H e i 1 b r u n n gibt einen ausführlichen Kassenbericht. Wir beschränken uns auf die Wiedergabe der von ihm aufgestellten Bilanz: (Siehe S. 112.) Vors.: Bevor wir die Qeneraldebatte eröffnen, werde ich die in der Tagesordnung vorgesehenen Referate halten lassen. Das Referat über »Unsere Aufgaben im Orient"*) muß leider ausfallen, da unser Freund Herr Abramowitz aus Konstantinopel im letzten Augenblick verhindert war, hierher zu kommen. Ich erteile das Wort Herrn Erich Burin zu seinem Referat über Die Aufnahme des Sports in unsern Vereinsbetrieb. Meine Damen und Herren! „Die Jüdische Turnerschaft umfaßt alle jüdischen Organisationen, welche Turnen oder Sport systematisch pflegen. . . ." So heißt es in dem Entwurf unserer neuen Verbandssatzung. Damit ist die Strettaxt, welche die beiden feindlichen Brüder noch vor wenigen Jahren gegeneinander schwangen, begraben worden. Zunächst allerdings nur in der Theorie. Denn in dem Bestreben, alle Kreise zu umfassen, die an der körperlichen Wiedergeburt der Juden mitarbeiten wollen, Ubersehen wir leicht, daß es sich um zwei verschiedene Begriffe handelt. Sie sind zwar dadurch naheaerückt worden, daß die Turnerei ihre Hand auf das vornehmste Qebiet des Volkssports, die Leichtathletik, gelegt hat. Eine ganze Zeit haben sich die Turner gegen die „volkstümlichen Uebungen" gesträubt. Aber es nützte nichts. Die Jungen Leute fanden an der sportlichen Uebungsweise bald mehr Oefallen, als an der Turnkunst. Zum Kunstturnen gehört jahrelange saure Arbeit, zum Sportsieg zunächst ehre gute natürliche Begabung. Kein Wunder, daß sich viele begabte junge Leute dem leichteren Sport zuwenden, den auch das berechtigte Streben nach Luft und Licht begünstigt. Bei der sprunghaften Beweglichkeit, die die Juden in der Zahl ihrer Betätigungsgebiete auszeichnet, wuchs die Zahl unserer Turner, die .erst nebenbei, dann hauptsächlich noch in einem Sportverein Mitglied wurden. Was blieb den größeren unserer Verbandsvereine also übrig, alt Konzessionen zu machen und dem „volkstümlichen Turnen" das Wettkampfprinzip beizufügen, ihm den weitesten Spielraum zu geben und damit Leichtathletik, also selbst Sport zu treiben. Sie fesseln die Turner von neuem an sieh, indem sie ihnen Sportabtellungen gründen. Auf diesem Wege ist es tatsächlich gelungen, viele Kräfte der Turnerei zu erhalten. Nun mag man eine Sportabteilung vom Standpunkt der turnerischen Vereinsleitung für ein parasitäres Qebilde halten. Einzelne Stimmen haben sogar darauf hingewiesen, daß durch derartig autonome Abteilungen unsere Eigenart und unsere Grundsätze preisgegeben werden. Diese Befürchtungen haben Ihren Ursprung darin, daß es Schwierigkeiten bereitet, di> Sportsleute in den regulären Vereinsbetrieb einzubeziehen. Ich will Ihnen eine prakt *) Herr A. hat ein ausführlich« Referat eingesandt, das leider erst am £*■ Mai in Berlin anlangte. Wir werden es in unserer nächsten Nummer veröffentlichen. D. Red.

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