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Jüdische Turnzeitung · 1912-06-01 · 6 (6.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
6 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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No. 6 Epilog. Der V. Jüdische Turntag gehört bereits der Geschichte an. Wenn wir auf sein Ergebnis blicken, so können und dürfen wir ihn mit Befriedigung eine inhaltvolle Leistung nennen. Es erübrigt sich, an dieser Stelle auf die einzelnen Beschlüsse und Erfolge einzugehen. Wir verweisen auf unseren ausführlichen Bericht an anderer Stelle dieses Blattes. Wir wollen nur mit Freuden konstatieren, daß alles das. was wir früher als die dringendsten Aufgaben des Turntages bezeichnet haben, sich voll und ganz erfüllt hat. Die schwierige Reorganisation unseres so verzweigten Verbandes, sie ist dem Turntag nach ernster Arbeit geglückt. Dem neugewählten Ausschuß sind die Wege zu einer großzügigen Arbeit geebnet. Viele wertvolle Anregungen zu neuen Arbeitsmöglichkeiten sind ihm auf den Weg gegeben. So können wir hoffen, daß der V. Jüdische Turntag den Beginn einer neuen Epoche wertvoller Arbeit für unsere Organisation bedeute. Und wenn der konkret greifbare Erfo|g des Turntages aus den Berichten jedem vor Augen tritt, so wollen wir eine Bedeutung nicht unterschätzen, die nur der begreift, der sie mit uns empfindet. Es war ein Verbrüderungsfest der jüdischen Jugend. Unsere Turntage sind die einzigen Kongresse, die die Jugend unseres zerstreuten Volkes über die Landesgrenzen hinaus zu gemeinsamer Arbeit vereinen. Und darin liegt ihre höhere Bedeutung als ein Symbol des Willens zur Einheit. Und dieser Wille beherrschte die Stimmung des Turntages. Es war nicht die Sucht nach philiströser Oleichmacherei. Qott sei Dank! Es gab noch Unzufriedene. Wir sind nicht zusammengekommen, um mit selbstzufriedenem Lächeln uns auf Qegenrechnung Lorbeeren zu winden. Solange wir in Erkennung unserer Pflichten die höchsten Anforderungen an unsere Leistungen stellen, so lange darf es Unzufriedene unter uns geben. Und sie muß es geben, wenn wir nicht der Entwicklung unseres Verbandes Schranken setzen wollen. Auch die Unterschiede der Anschauung und Herkunft mußten naturnotwendig zutage treten. Und doch herrschte der Wille zur Einheit. Einem Volke sind wir alle entsprossen, mit einem Ideal wollen wir ihm alle gemeinsam dienen. Dieser Qedanke bezwang alle gegebenen Differenzen und war die Grundlage unserer gemeinsamen erfolgreichen Arbeit Wie das Solidaritätsgefühl den Wert unserer Arbeit erhöhte, so bildete es den Qrundton in den Stunden des Frohsinns. Bei dem BegrUßungsabend und auf dem Festkommers dasselbe Bild: ein herzliches Begrüßen alter Bekannter, ein Wiedererkennen längst Vergessener. Und wie viele wackere Führer unter uns lernte man kennen, deren glorreiche Namen man bisher nur aus der Turnzeitung kannte. Man erlebte die verbrüdernde Kraft eines gesunden Ideals. Wir hatten abgesehen von rauschenden Veranstaltungen des Vergnügens, weil wir der kurzen Tage für die Arbeit bedurften. Der V. Jüdische Turntag war uns eine Zeit ernster, erfolgreicher Arbeit und darum ein Fest reinster und höchster Freude. Henry Unna.

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