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Jüdische Turnzeitung · 1912-04-01 · 4 (4.1912) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
13 (1912)
Issue
4 (4.1912)
Date
1912-04-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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64 No. 4 sie auch die Oleichberechtigung haben und machten zu diesem Zwecke vergebliche Anstrengungen. Die Emanzipation als Bewegungsziel unter den Juden selbst nahm also ihren Ausgang von der Kluft zwischen dem Werte der Juden, den sie innerhalb der Kultur der Welt einzunehmen nunmehr erwiesenermaßen fähic waren, und ihrer tatsächlichen Stellung in der Welt. Erst als einzelne Juden, denen es gelungen war, diese Schranke um das Judentum zu durchbrechen, nachgewiesen hatten, daß sie, und zuversichtlicherweise auch ihre Brüder im Ghetto, fähig waren mit den Nicht-Juden mitzuarbeiten, konnten die Juden, die sich vorher gar nicht mit den Qojim verglichen hatten, und auch die Christen daran denken, ob jener alte Zustand ein Ende haben konnte. Und in diesem Zusammenhange mit der Emanzipation darf der Name Moses Mendelssohn genannt werden, der Name des Mannes, der nur einer von jenen war, wenn auch der bei weitem eindrucksvollste, die die Vollwertisckeit der Juden als Menschen auch für die Außenwelt erwiesen hatten. Nachdem wir damit den Ausgangspunkt der Emanzipationsbewegung kurz gekennzeichnet haben, können wir die Geschichte der Bewegung selbst mit ihren mannigfachen .Vor- und Rückschritten, mit ihren zersetzenden Begleiterscheinungen für den Bestand des Judentums übergehen und uns der endgültigen Fragestellung zuwenden, auf die die Tatsachen Antwort g£beu müssen. Ist das Ziel der Emanzipation erreicht? Ich will nicht davon sprechen, daß nicht alle, daß kaum die Hälfte der Juden in Ländern mit Emanzipation lebt. In diesem Sinne ist die Frage nicht gestellt, und ihre selbstverständliche Verneinung beweist nichts gegen ein uneingeschränktes Lob der Bewegung an sich. Im anderen Sinne wird man mir antworten: Gewiß, wir sind Bürger wie die anderen auch, und das wollten wir sein; wenn einzelne Strömungen innerhalb der Völker uns noch hindern, diese Errungenschaft restlos auszunutzen, so ist das doch eine ganz andere Sache. So hätten wir freilich allen Grund, die Emanzipation zu feiern, aber das ist doch eine ganz äußerliche Auffassung. Wir hatten oben gesagt, daß die Emanzipationsbewegung ausgegangen sei von der Kluft zwischen der inneren und der äußeren Lage der Juden. Diese Kluft selbst ist aber nicht das letzte, was wir an Ursachen für die Entstehung des Willens der Juden zur Emanzipation angeben können. Der letzte Grund ist das Stocken der Entwickelung des Judentums im 18. Jahrhundert. Eine Reihe jüdischer Oedauken war abgelaufen; -wer als Jude in Polen oder sonstwo im Ghetto zum Manne heranwuchs, fand keine neuen jüdischen Ideen mehr, die sich verbreiten konnten, es war alles schon einmal dagewesen. Das war das eigentliche Problem, das zur Abwanderung unter die Nicht-Juden und damit von selbst zur Forderung der Emanzipation führte. Hat die Emanzipation nun dieses Problem gelöst, hat sie zur Durchtränkung der-Judenheit mit neuen Oedanken geführt? Nein! Die Emanzipation hat für die wenigen Juden, für die sie es überhaupt getan hat, nur ein formelles Problem, die Frage nach der normalen Form ihrer Lebensführung unter den anderen gelöst. Die materielle Seite des Problems hat sie nicht berührt, konnte sie auch nicht lösen, denn mit gesetzliehen Vorschriften lassen sich solche

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