Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 87 Korrespondenz des „Jüdischen Volksblattes" (Wien) das Wort: „Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell!" Dieses Zitat passt vortrefflich auf das Verhältnis unserer heimischen Israeliten zum deutschen Turnverein. Es war einst ein rührendes Verhältnis! Als der 15. deutsche Turnkreis, umfassend die ganze Ostmark, sich vor zwei Jahren judenrein erklärte, da war der „Olmützer deutsche Turnverein", dfr damals gerade seine neue Turnhalle aufgerichtet hatte und bis über die Ohren in Schulden stak, entrüstet über solche Intoleranz, sprang aus dem arischen Kreise aus und schloss sich dem neugegründeten deutsch-freiheitlichen Turnverbande an. Als die antisemitische Jungmannschaft des Vereines diesen Schritt nicht ungeschehen machen konnte, sezedierte sie und bildete einen neuen arischen Kreisturnverein „Jahn". Diese Vorgänge entflammten die Olmützer Juden zur grössten Opferwilligkeit für den deutschen Turnverein und seine Halle. „Ach, dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!" Der deutsche Turnverein erlitt durch diese Judenliebe einen solchen Mitgliederschwund, dass er im Jänner d. J. aus dem deutschfreiheitlichen Turn verbände zurücktrat und die antisemitischen Turner vom Konkurrenzverein „Jahn" in seine Reihen wieder aufnahm.*) Einen Monat nach dieser „Neutralisierung" wurde, da die israelitischen Turner noch immer nicht wichen, in einer zweiten Generalversammlung beschlossen,**) dass künftig nicht der Turnrat, sondern die gesamte Turnerschaft durch einhelliges geheimes Votum über die Aufnahme neuer Mitglieder zu entscheiden habe. Die Fleischers, Fischls, Doktoren Kraus und Reiner, die Neu- und Fleischmänner blieben nackensteif und wichen nicht. „Dieses war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich!" und zwar in der ausserordentlichen Generalversammlung vom 20. April. Es lag folgender Antrag des Turnrates vor: „Der Olmützer Turnverein tritt dem 15. Turnkreis der deutschen Turnerschaft bei", und wirklich wurde der Anschluss an den 15. Turnkreis, zu deutsch der Hinausschmiss der deutschen Turnbrüder mosaischer Konfession, mit imposant überwiegender Mehrheit beschlossen. In der Hitze des Gefechtes übersah man, auch darüber schlüssig zu werden, ob man den Saujuden nicht die schweren Tausende, durch deren Darreichung sie den Bau der deutschen Turnhalle geschändet haben, zurückerstatten solle. *) Man vergleiche hierzu unsere Mitteilungen im Februarheft (S. 35, 36) der Jüdischen Turnzeitung. •*) S. Aprilheft (Seite 70) dieser Zeltschr.