Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 4 (1903)
- Issue
- 3 (3.1903)
- Date
- 1903-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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52 No. 3 tungsfest. Aus diesem Anlass veranstaltete sie Nachmittags in der Turnhalle der Israelitischen Töchterschule in der Carolinenstrasse ein Schauturnen, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen waren. Unter den Erschienenen bemerkten wir u. a. als Vertreter der Deutsch-Israelit. Gemeinde Herrn Wolff Levy, die Henry Jones- Loge entsandte vier Vertreter. Ausserdem waren erschienen das Lehrer - Collegium der Talmud-Thora-Schule, die Vorstände des Vereins ehemaliger Schüler der Talmud-Thora-Schule und des Israel. Jugendbundes. Herr und Frau Gustav Tuch, letztere als Vertreterin des Israel.-humanitären Frauen-Vereins, und viele Andere, im Ganzen über 200 Personen. Nach dem Einmarsch der Turner, welche in der stattlichen Anzahl von 50 erschienen waren, begrüsste der 1. Turnwart Herr J. Frankenthal die Gäste. Er wies in seiner kernigen Rede darauf hin, dass die Bestrebungen der Jüdischen Turnerschaft von 1902 auf fruchtbaren Boden gefallen seien, und dass sich immer mehr Jünger dem Turnen widmen. Er bat die Gäste, keinen zu grossen Massstab an die Leistungen der Turner zu legen, da man nicht Vollendetes zeigen, sondern nur Zeugnis von der bisherigen Arbeit ablegen wolle. Es begannen alsdann die exact ausgeführten Freiübungen mit Stäben. Hieran schlössen sich Uebungen der einzelnen Riegen an den Geräten, oftmals vom Beifall der Gäste begleitet. Die Zuschauer sprachen sich äusserst anerkennend über die einzelnen Leistungen aus und waren sichtlich recht befriedigt. Vom Bar Kochba in Berlin, sowie vom Jung - Juda, Turnverein in Frankfurt a. O. gingen Begrüssungs-Telegramme ein. Abends vereinigte ein Ball bei Sagebiel die Turner mit ihren Angehörigen. Vorher gelangte ein lustiger Einakter „Monsieur Herkules" zur Aufführung. Die Damen Frl. Jacob und Frl. Kupferbacb, sowie die Herren Jacob sen. und jun., A. Jacobson, Dr. R. Levi und H. Seligmann machten sich um die Aufführung sehr verdient. Auch einige Musikpiecen wurden von den Herren Wagner und Bernstein zu Gehör gebracht. Herr Louis Burg erfreute mit einigen Liedern. Alle ernteten wohlverdienten Beifall. Der Tanz hielt die Teilnehmer bis zur frühen Stunde zusammen. Karlsbad. Wir entnehmen der Jüd. Volksstimme folgenden interessanten „Karlsbader Brief", den wir mit einigen Streichungen wiedergeben: .....Zwei deutschliberale Turnvereine wurden bisher in Karlsbad von Juden mit jüdischem Gelde gegründet, aus denen dann unsere lieben „Glaubensgenossen", nachdem die Vereine eine genügende Anzahl von Deutschen erlangt hatten, mit Grazie hinausbefördert wurden. Nun glaubten wir, dass die Karlsbader Juden endlich aus ihren blödsinnigen Deutschtums träumereien zur Besinnung kommen und ihr eingeschlummertes Ehrbewusstsein hervorsuchen würden. Und fast schienen wir recht zu behalten. Ein neuer Turnverein wurde gegründet, der aus lauter Juden bestand, der . „Karlsbader Turnklub". Völlig neutral, fand darin jede Parteischattierung Raum. So bis zu der Generalversammlung. Man verfiel aber nicht auf den einfachen Gedanken: den jüdischen Turnverein auch wirklich für einen jüdischen Turnverein auszugeben. Erheiternd wirkte es, zu beobachten, wie man sich fürchtete, obwohl lauter Juden anwesend waren, auszusprechen