Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 11 (11.1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11. 185. Abstammung aus dem Kreisverbande und damit aus der „Deutschen Turnerschaft" ausgeschlossen worden. Dieser Beschluss nichtete sich nur gegen die jüdischen Mitglieder. 44 Vereine traten aus dem Kreisverbande aus, da sie ihre jüdischen Turngenossen nicht aufgeben wollten. Sie erhoben beim Ausschusse der „Deutschen Turnerschaft Beschwerde und beantragten, den Kreistagsbeschluss, der sie hinauswies, für ungiltig zu erklären, da er gegen § 2 des Grundgesetzes Verstösse. Der Ausschuss erklärte jedoch in seiner in Heidelberg stattgehabten Sitzung im Sommer 1901 den Ausschluss aus dem Kreise als zu Recht bestehend an, kam den 44 ausgestossenen Vereinen jedoch darin entgegen, dass er sie in der „Deutschen Turnerschaft" beliess. Von allen Mitgliedern des Ausschusses stimmten nur zwei, Oberturnlehrer Haeublein, Vertreter des. XII. Turnkreises [Bayern] und Professor Boethke, Vertreter des I. Turnkreises [Ost- und Westpreussen] gegen diese Anerkennung des Antisemitismus. Der Ausschuss, und vor Allem sein Führer, Dr. Goetz, glaubten damit um die gefährliche Klippe herumgekommen zu seiia und es beiden Teilen recht gemacht zu haben. Aber während sich die 44 Vereine, oder wie sie sich gemeinsam nannten „der Verband der Deutsch-freiheitlichen Turnvereine," ihre unwürdige Behandlung ruhjg gefallen liessen, waren die „reinen" Arier höchst unzufrieden. Ihre Führer, Professor Hirth in Zwittau und Kiessli«!» in Prag begannen, obwohl selbst als Kreisvertreter Mitglieder des Ausschusses der „Deutschen Turnerschaft", gegen diese und vor Allem gegen Dr. Goetz einen scharfen Feldzug. Herr Dr. Goetz wurde seiner Eigenschaft als Ehrenmitglied der „Grazer Turnerschaft" enthoben, wahrscheinlich weil er dem in diesem Vereine herrschenden urgermanischen Herrn Podpeschnigg nicht deutsch oder arisch genug dachte. Andererseits ging der Ausschuss der „Deutschen Turnerschaft" mit den östereichischen Herren scharf in's Gericht. In seiner letzten Sitzung in Nürnberg wurden „mit Entrüstung" die Anklagen gegen Dr. Goetz zurückgewiesen. Wie wenig aber dem Ausschuss an der Wahrung der Interessen seiner jüdischen Mitglieder liegt, ersieht man aus dem Beschluss: Es solle beim nächsten Deutschen Turntage eine Änderung des Grundgesetzes beantragt werden, dahingehend, dass die endgiltige Entscheidung über die Aufnahme und den Ausschluss von Vereinen dem Ausschusse der „Deutschen Turnerschaft übertragen werde. Damit ist natürlich die Zwitterstellung der 44 aus dem XV. Turnkreise ausgewiesenen Vereine