Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10. 129. rischer Fähigkeiten wird mit Freuden wahrnehmen, wie sich ein schnelles Aufsteigen der Schichten vollzieht. Zwar züchten wir keine Glanzturner, aber der Durchschnitt unserer Leistungen braucht sich vor dem anderer Vereine schon jetzt nicht mehr zu schämen. Der ganze moralische Gewinn aber, der sich aus dieser körperlichen Hebung der einzelnen Persönlichkeit ergiebt, kommt dem Judentum zu gute. Das Bewusstsein der Kraft, die den Gedanken der Selbsthilfe nahe legt, setzt sich um in jüdisches Nationalbewusstsein. Und wem das gesundeste Nationalgefühl das des jüdischen Kolonisten ist, der in schwerer Arbeit sich den Boden unterwirft und mit der Flinte in der Faust dem Beduinen gegenübertritt, so haben wir hier einen Abglanz dieses unmittelbaren persönlichen Nationaljudentums. Niemand, der ein Jahr in unseren Reihen geturnt hat, wird sich mehr eine Beschimpfung seines Judentums bieten lassen, ohne den Arm zu heben; und diese Verteidigung des Judentums scheint mir eben so vornehm wie mit Schläger, Pistole oder gar mit der Feder. Wir erziehen unweigerlich jeden Juden zum Nationaljuden, mag er sich nun so nennen oder mag er das Wort nicht kennen. Jedoch fast noch wertvoller ist die Ausbildung eines intensiven Zusammengehörigkeitsgefühls unter den Gliedern unseres Vereins. Wodurch erreichen wir das? Es bedarf dazu keiner grossen Veranstaltungen, wir halten keine Reden über Einheit und Solidarität des Judentums in der ganzen Welt, diese ganze Arbeit vielmehr nimmt uns das Turnen ab. Die Brüder einer Familie, die durch die Blutsgemeinschaft auf einander hingewiesen sind, bedürfen keiner künstlichen Mitttel, sie bedürfen nur der dauernden Berührung im* gleichen Ideenkreise, um sich bei einander heimisch zu fühlen. Beim Turnen mit unsern Stammesbrüdern wird uns das Gefühl der Verwandtschaft deutlicher. Jeder weiss, dass seine Genossen mit ihm verbunden sind durch gemeinsames Leid und durch den Willen, dieses Leid abzuschütteln, jeder fühlt, dass er hier zu Haus ist, und dass ihm das Turnen mit Hans und Otto dieses Gefühl nicht bieten kann. Ob es wohl mir nur so geht? Ich liebe meinen jüdischen Turnverein von ganzem Herzen und sehne mich nach ihm, wenn ich ihn einige Wochen entbehren muss. Für die allgemeine jüdische Sache also hat der jüdische Turnverein einen ungeheuren Wert. Er schafft zum guten Teil die Geftthlsgrundlagcn, auf denen das jüdisch-nationale Handeln, die