Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 10. 127. Die Juden werden erst seit wenigen Jahrzehnten zur Meldung für die staatlichen Schulen zugelassen, und in verschwindend kleinem Prozentsatz; mit jedem Jahre wuchs die Schwierigkeit der Aufnahme, so dass Verhältnis der aufgenommenen und der aufnahmefähigen jüdischen Schüler ein ganz ungeheuerliches ist;**) in den Schulen selbst wird wenig geturnt; ausserhalb der Schule aber ist dem Juden bis jetzt jede Möglichkeit benommen, durch Turnen für die Hebung seiner Körperkräfte etwas zu thun. Es existieren nur einige, wenige christliche Turnvereine; selbst wenn diese den Juden die Aufnahme gestatteten, so wäre das eine sehr geringe Hülfe für uns; immerhin aber könnten wir von ihnen lernen; aber die Juden sind prinzipiell ausgeschlossen! Deutsche sind es, welche diese Turnvereine in's Leben gerufen haben; würden sie, unter strenger Betonung ihrer Nationalität, keinem einer fremden Nation Angehörigen die Aufnahme gewähren, so könnten wir nichts dagegen sagen, dass sie sich weigerten die Juden aufzunehmen. Christliche Rumänen haben, wie ich wobl weiss, Aufnahme gefunden: aber die vom rumänischen Gesetze statuierten Fremden — die Juden — werden auch von ihnen, die doch wahrhaftig Fremde in diesem Lande sind, als . . . Fremde zurückgewiesen. Lächerlich und furchtbar zugleich; aber wahr! Und daraus ergiebt sich gebieterisch und stürmisch die die Forderung nach selbständig gegründeten und selbständig geleiteten jüdischen Turnvereinen. Aber die jüdische Bevölkerung hier ist infolge der sytematischen, vom Gesetze nicht nur geschützten, sondern gebotenen Verfolgung so wenig organisiert, so wenig an praktisch-systematische Arbeit, die der Gesamtheit zu Gute kommen soll, gewöhnt, so völlig verarmt und entblösst aller Mittel für das Notwendigste, dass eine organische Hülfe aus ihrem eigenen Schosse heraus ohne Hülfe ihrer Brüder im Westen als Unmöglichkeit angesehen werden kann. Wenn doch die mächtigen, über kolossale Geldmittel verfügenden Gemeinschaften einsehen wollten, dass die Wohlthätigkeit, die sie üben, zwar hie und da dem dringendsten, momentanen Bedürfnisse abhelfen mag, im Grunde genommen aber das schon **) Auf diese Verhältnisse werde ich in einem nächsten Aufsatz noch ausführlich zurückkommen.