Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 9 (9.1901)
- Date
- 1901-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9. 110. den Juden nicht zugänglich. Die freiwillige Pflege körperlicher Uebungen aber, die systematische Erhöhung der Kraft und Widerstandsfähigkeit des Leibes, setzt ganz andere Verhältnisse voraus als den Zustand der Juden im Golus. Denn es ist ein Zeichen hoher cultureller Entwickelung, wenn neben Kunst und Wissenschaft auch die Uebung des Leibes, die Veredelung des Körpers gepflegt wird. Erst in der neuesten Zeit nimmt bei den Culturvölkern die Pflege der körperlichen Entwicklung allmälig wieder den ihr gebührenden Raum in der Erziehung der Kinder sowohl als auch im Leben der Erwachsenen ein. Wenn aber körperliche Uebung bei den anderen Völkern nützlich ist und durch die Stärkung der physischen Kraft nicht unbeträchtlich dazu beiträgt, den Hochstand der Cultur für die Dauer zu sichern, so hat sie beim , jüdischen Volke die vielleicht noch schwierigere Aufgabe, die Cultur schaffen zu hellen, so ist sie bei uns Juden nicht nur nützlich, sondern nothwendig, ja. unentbehrlich. Diesem Ideengange entsprang der Gedanke, die Juden zur freiwilligen, intensiven Uebung des Leibes zu bewegen, und das nächste Mittel hierzu war die Gründung jüdischer Turnvereine. Und dem Gedanken folgte die That. Wer je Gelegenheit hatte, die Indolenz der weiten jüdischen Kreise gegenüber allen jüdischen Interessen zu beobachten, der kann sich davon eine Vorstellung machen, was es bedeutet, die Juden nicht nur zu materieller Beisteuer für jüdische Turnzwecke zu gewinnen, sondern von ihnen auch noch höchstpersönliche körperliche Leistungen, den Besuch der Turnabende, zu verlangen. Es ist dies weniger verwunderlich bei den „Noch-Juden". Erstaunlich aber ist das schwere Verständnis der Wichtigkeit des Turnens in jüdischnationalen und zionistischen Kreisen. Wohl bildet die Gründung von Turnvereinen einen Punkt im zionistischen Gegenwartsprogramm. Und doch scheint es an der entsprechenden Würdigung und Unterstützung zu fehlen. Die ausgiebigste Unterstützung ist aber dringend nothwendig. Den Zionislen stehen für solche Zwecke Gelder seitens der Partei nicht zur Verfügung, die eigenen Mittel des Einzelnen aber werden durch seine Mitarbeit in den verschiedenen Vereinen u. s. w. ohnedies schon in nicht geringem Maasse in Anspruch genommen.