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Jüdische Turnzeitung · 1901-06-01 · 6 (6.1901) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
6 (6.1901)
Date
1901-06-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 6. 83- 6. Vorturnerausbildungsstunde soll jeden Sonnabend Abend Va9—10 Uhr im August und September unter Leitung von R. Blum und R. Soldin stattfinden. 7. Im Juli fallt das Turnen an den Sonnabenden aus. Frankfurt a. M. (Eig. Ber.) „Es dürfte für Sie eine erfreuliche Thatsache sein, dass sich am hiesigen Platze seit dem 3. Juni in einer konstituierenden Versammlung, an welcher 30—35 Herren teilnahmen, ein Turnverein gebildet hat, welcher den Namen „Jüdischer Turnverein Bar Kochba" trägt. Der Vorstand besteht aus den Herren: 1. Vorsitzender Herr Sigmund L. Rubinstein, 2. Vors. Herr David Kaufmann, Turnwart Herr Louis Abraham, Schriftführer Herr Bernhard Wölpe, Cassierer Herr Ludwig Gordon. Auf unsere Liste hin haben sich erfreulicherweise gleich 25 Herren als Mitglieder eingezeichnet." Der Vorstand des Jüdischen Turnvereins „Bar Kochba". I. A.: Bernhard Wölpe. Krakau. Der „Welt" entnehmen wir die Nachricht, dass sich in Krakau „ein Comitee behufs Gründung eines „Jüdischen Turnvereins" unserer Stadt gebildet hat, an welcher Arbeit sich die Vertreter der jüdischen Jugend aller Parteiströmungen beteiligten". Prag. (Eig. Ber.) In Prag existieren deutsche und czechische Turnvereine. Die Juden turnen meistens im deutschen Turnvereine, wo sie auch die Mehrzahl der Turnenden bilden. Diese „Germanen" sind zähe Leute, die so thun, als ob sie den Stoss, den man ihnen versetzt, nicht spüren. Ein Turnen mit dem Bewusstsein, gehasst zu werden, mit der steten Furcht, dass man unfreiwillig „in die weite Welt" geschickt wird (was wirklich eine „rechte Gunst" wäre), ein Turnen unter solchen Umständen kann unmöglich Charakterfestigkeit, Selbst- und Mannesbewusstsein verleihen. Und da nützt kein noch so protzenhaft zur Schau getragenes Deutschtum. Zu welchen Mitteln die Herren Israeliten greifen, zeigt uns nachfolgendes Beispiel: In Pilsen waren die Juden durch Beitritt vieler Antisemiten zum dortigen deutschen Turnverein in Minorität geraten und, um den voraussichtlichen Beschluss des Ausschlusses zu vereiteln, wurde eine fieberhafte Agitation unter den dortigen Juden eingeleitet, und so turnen die Juden weiter im deutschen Turnverein. Wäre es nicht ehrenhafter gewesen, einen eigenen Turnverein zu gründen? — In den czechischen „Sokol"vereinen turnen keine Juden mehr. Wo noch einige Juden als Mitglieder figurieren, sucht man sie herauszuekeln. Aber es giebt noch immer etwelche „stramme" Leute, die den Wink mit dem Zaunpfahl nicht verstehen wollen. Ein „Jude", der um Beitritt zum Prager Sokolverein ansuchte, erhielt eine ablehnende Antwort, in der u. a. geschrieben steht, „dass Angehörige einer zugewanderten Nation, welche das Volk ausbeutet und ins Massenelend stürzt", nicht angenommen werden. Unterschrieben ist der Brief von Dr. Scheinert und Dr. Podlipny, demselben Dr. Podlipny, der von der czechisch-jüdischen Assimilation so oft als Judenfreund bezeichnet wurde. Solche Vorfälle müssen öffentlich bekannt werden! In Böhmen, besonders in Prag, wäre es aber höchste Zeit, einen jüdischen Turnverein zu gründen. E. O.

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