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Jüdische Turnzeitung · 1901-05-01 · 5 (5.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
5 (5.1901)
Date
1901-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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No. 5. 59merken, Groller contra Groller, bei Erörterung des jüdischen Pauperismus bringt er nämlich das Beispiel der jüdischen Bankiers und erklärt, „dass es ein altes Unrecht ist, ein ganzes Volk zu beurteilen nach gewissen Ausnahmeersoheinungen". Ja, warum in aller Welt sind denn die jüdischen Börseaner Ausnahmeerscheinungen und nicht ebenso die Judas Stamm entsprossenen Wettkampfsieger? Die alten Griechen pflegten den Jüngling, der den Gegner kunstgerecht niedergerungen oder den Discos am weitesten geschleudert oder die Säule als erster mit dem Viergespann glücklich umfahren hatte, zu bekränzen und auf jede Weise zu ehren. Doch nicht etwa, weil es ebenso viele Sieger als Besiegte gab, weil Siegen das Gewöhnliche war! Nein, in der Vorzeit wie in unseren Tagen schätzte und schätzt man nur das, was über das Alltagsniveau, über das Normal- und Durchschnittsmass hinausragt, gerade das Ungewohnte und Ungewöhnliche löst eine tiefer greifende Empfindung aus. Je seltener das Gebotene, desto höher war Ruhm und Preis! Das galt für die gymnastischen Übungen der Hellenen, das behält gleiches Recht für moderne turnerische oder sportliche Veranstaltungen, es bleibt auch für die anderen Erscheinungen des praktischen Lebens in Kraft. Seltenheit steigert den Wert — das ist das Geheimnis der Kostbarkeit der Diamanten. Es ist falsch, nach Analogie einiger weniger, hervorragend begabter Individuen eine Verallgemeinerung für das ganze Volk *u wagen, dieses ebenfalls als hervorragend begabt zu bezeichnen; sonst müsste mit Rücksicht auf die israelitischen Bankiers unser Stamm als reich, mit Rücksicht auf einzelne jüdische Wucherer als wucherisch angesehen werden. Geschieht auch nach antisemitischer Logik — aber diese wollen wir uns doch wohl nicht zu eigen machen. Weder Millardäre, noch Wucherer, noch Athleten vermögen uns ein typisches Bild von dem sozialen, ethischen und physischen Zustande der Judenheit zu geben, sie bilden nur zu °ft den krassen Gegensatz zu den hungernden, ausgesogenen, schwachleibigen Massen. Höchstleistungen einer Volksgesamtheit auf allen Gebieten menschlicher Arbeit kommen naturgemäss für statistische Berechnungen und vornehmlich für die vergleichende Kulturgeschichte in Betracht; auf Grund solcher Höchstleistungen pflegt man Juden, Griechen und Römer als die drei klassischen Völker des Altertums anzusehen, welche den späteren Jahrhunderten das Fundament einer über das Nationale hinausgehenden Weltkultur geliefert haben. 5*

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