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Jüdische Turnzeitung · 1901-02-01 · 2 (2.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
2 (2.1901)
Date
1901-02-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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No. 2. 24. davon. Doch drei Schritte that er nur, da wallte es plötzlich in ihm auf. Wie höhnisch der Victor hinter ihm her lachte! Dem Moritz wird, wie ihm nie gewesen. Wild dreht er sich um — weiss nicht, was er thut — und schaut dem Todfeind voll Hass ins Auge. Der, erst verwundert ob solcher Kühnheit, stösst endlich ein heiseres Lachen aus und kommt auf ihn zu. Der Moritz ihm? Was läuft er nicht bald? Doch der Moritz steht. Jetzt gilt's! Sie sind an einander, sie ringen. Da — ein Schreien von vorn — und die Gasse herauf, die Faust hoch drohend, gefletscht die Zähne, jagt der wilde Alex. Wie Moritz ihn sieht, wird's ihm schwarz vor den Augen. Sinnlos vor Angst — obgleich ihm „die Gelle" aus dem Häuschen zu Hilfe kommt, lässt er den Gegner aus seinem Griff. Der nützt den Moment, und wie man ein Rohr knickt, drückt er den Moritz ins Knie, mit aller Kraft auf die Steine nieder. Ein spitzer Stein, ein knaxender wahnsinniger Schmerz, und Moritz verliert die Besinnung. — Von diesem Tage an war Moritz ein Krüppel. Verkrüppelt seine Jugend, seine Hoffnungen, sein ganzes Leben. Was nun noch kam in diesem Leben, kam, weil er ein Krüppel war. Die Lehrzeit beim Schuster mit Hunger und Prügeln, sein Eheleben mit der buckligen Esther, die ihn nicht minder schlug und hungern Hess — was wollte er Besseres, der Krummbein, der Krüppel? Und er wollte auch nichts, er trug ja geduldig alles. Oder hat er sich je gesträubt? Oder je beklagt? Wenn er elend war, war er elend für sich, im tiefsten Herzen, in stiller Seele. Und diese Seele litt! Nicht blos unter dem, was von aussen kam. Mehr noch von innen. Ja, am Gewissen. Er fühlte sein Unglück wie eigene Schuld, wie böse That. Nur welche das war, nür, womit er verbrochen, das fand er nie, wie sehr es ihn peinigte. Wenn er die Speilen in seine Sohlen schlug, wenn er den Faden drehte, wenn er ass und betete — quälte ihn dieses „wömit", diese grausame Frage seines Lebens, die er nicht zu lösen und auch nicht zu bannen vermochte. Die bucklige Esther gebar ihm ein Kind. Da warf er sich nieder und schrie zu Gott: „Mach's nicht, wie mich!" Und als ihm sein Junge kräftig heranwuchs, da betete er stündlich: „Nur nicht, wie ich!" Aber eines Tages kam die Befreiung. Er sass hinterm Fenster. Draussen spielte sein Junge unter

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